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Eine Untersuchung darüber, was es heißt, Nahrungsmittel zu teilen

STWR
2015年7月29日

Nicht in der Hölle sterben die Menschen an Hunger, sondern auf der Erde.

Bitte lassen Sie die Menschen nicht weiter unnötig sterben und somit Zeuge werden wozu ihre liebenden Seelen fähig sind.


In einer Zeit kulminierender Krisen und allgegenwärtiger Verwirrung wird das Prinzip des Teilens zunehmend als Lösung für die vielfältigen Probleme der Menschheit diskutiert. Es gibt viele Einzelne und Gruppen, die sich mit Konsumreduzierung, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung als auch Armutsbekämpfung beschäftigen und unter anderem erkennen, dass die Methode des Teilens für die Gesellschaft ein Weg vorwärts ist. Eine bemerkenswerte neue Entwicklung ist jedoch der Dialog über das Teilen von Lebensmitteln. Dies kann Verteilung von Lebensmittel durch eine Wohltätigkeitsorganisation betreffen, die Verwertung der Überschüsse aus Betrieben oder Supermärkten, die kostenlose Verteilung von Lebensmitteln bei einer Veranstaltung, wie auch ein Essen mit Freunden oder neuen Bekannten. Es gibt auch viele andere Zusammenhänge, in denen diese lebendige Diskussion stattfindet, jedoch ist es nicht die Absicht dieses Artikels die verschiedenen Trends und Merkmale der neuen Lebensmittel-Sharing Bewegungen zu analysieren. Wir wollen herausfinden, ob wir in einfachen Worten die tiefere Bedeutung des Teilens der Nahrungsmittel untersuchen können, und zwar in Bezug auf die dringlichste Krise unserer Zeit – welche ohne Zweifel die weltweite Ausbreitung von Hunger ist.

Als erstes wollen wir herausfinden worin dieser wachsende Aufruf unsere Nahrungsmittel in einer modernen Gesellschaft zu teilen, seinen Ursprung hat. Was hat zu dieser Situation geführt, in der die Menschen jetzt über die Notwendigkeit sprechen, die Nahrung in einer Welt des Überflusses zu teilen? Wenn wir mit der Familie gemeinsam speisen, denken oder sagen wir dann zueinander: "Ich teile jetzt mein Essen mit dir? " Natürlich sagt das niemand in einer Familie, weil das Essen für alle da ist. Ein Vater oder eine Mutter müssen nicht drüber nachdenken, ob sie ihre Vorräte mit ihren Kindern teilen oder nicht. Und auch Kinder müssen ihre Eltern nicht um einen ausreichenden Teil bitten um gesund und satt zu werden. Wir leben und essen zusammen - es ist ein ganz normaler Bestandteil unseres täglichen Lebens. Der Prozess ist natürlich und selbstverständlich. Also wie sind wir an diesen Punkt gelangt, an dem wir sagen: "Lasst uns die Lebensmittel teilen, als Lösung unserer sozialen Probleme", wenn man bedenkt, dass die Welt mehr als genug Nahrungsmittel für alle produziert? Indirekt ist es ein Hinweis darauf, dass etwas an unserem gesellschaftlichen Miteinander nicht stimmt.

Einerseits haben wir all die Probleme, die die Menschheit plagen, all die schrecklichen Dinge, die jeden Tag passieren - die weit verbreitete Gewalt und Ausbeutung, die Extreme von Armut und Luxus, all die Spaltungen, die unsere Gesellschaftsordnung hervorgebracht hat.  Und dann, inmitten dieser Turbulenzen, setzt sich plötzlich die Idee durch, unsere Lebensmittel zu teilen. Aber wenn es diese Ungleichheiten in der Welt nicht gäbe, also weder Armut noch Hunger, dann würden wir der Idee unsere Nahrung zu teilen keine Aufmerksamkeit schenken. So wie eine Familie nicht darüber nachdenkt ihre Nahrung miteinander zu teilen, würde die Familie der Nationen ganz selbstverständlich die reichlich vorhandenen Produkte der Welt miteinander teilen. Niemand müsste die Notwendigkeit des Teilens erwähnen. Denn dann wäre es natürlich, logisch und ein normaler Bestandteil unseres täglichen Lebens.

Also vielleicht ist die Frage nicht, warum es notwendig ist unsere Nahrung miteinander zu teilen, sondern warum wir die Welt so organisiert haben, dass es nicht möglich ist, die Nahrung jedem frei zugänglich zu machen? Geht es darum die Nahrungsmittel, die wir erworben haben zu teilen, oder geht es darum, jedem den Zugang zu den Produkten, die so reichlich zur Verfügung stehen zu gewährleisten? Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht eine grausame Ungerechtigkeit. Erstens verweigert unsere Welt denjenigen den Zugang zu Nahrungsmitteln, die kein Geld haben, um dafür zu bezahlen. Wenn Sie also arm sind, haben Sie kein Recht, sich selbst oder Ihre Familie zu ernähren. Zweitens, und besonders erschreckend, gibt es einen solchen Überschuss von Lebensmitteln in der Welt, dass die Unternehmen es vorziehen sie zu verschwenden oder zu vernichten, anstatt die Lebensmittel frei in Umlauf zu bringen.

Was ist dann die Ursache des Lebensmittelproblems? Man könnte sagen, es ist die Profit-orientierte Vermarktung von Lebensmitteln und die Art und Weise, wie die Produktion, Verteilung und der Verbrauch von Lebensmitteln negativ manipuliert wird. Zum Beispiel haben die transnationalen Agrarunternehmen, die große Mengen an Lebensmitteln kontrollieren, kein Interesse daran, dass ihre angebauten Produkte frei in den Umlauf kommen, es geht ihnen nur darum Geld zu verdienen. Also, wenn es um den armen Kleinbauern geht, der dafür kämpft, seine eigenen Produkte anzubauen, hat dieser im Vergleich zu den großen und mächtigen Unternehmen keinerlei Rechte. Ein Dorf, das sich seit Jahrhunderten selbst versorgt hat, kann von heute auf morgen von einem Unternehmen zerstört werden. Es kommt und baut an was es will und kann das auch, denn die Regierung hilft ihm dabei. Oder vielleicht kauft ein ausländischer Staat wie China das Land, das dieses Dorf umfasst und behauptet dann, dass alles was jetzt auf diesem Land angebaut wird, ihnen gehört. Als ob das wortwörtlich wahr sein könnte.

Also, wie soll ein armer Bauer seine Familie ernähren, wenn sein Land effektiv von einem Großkonzern oder von seiner Regierung, mit ihrer fehlgeleiteten Politik, gestohlen wurde? Und was bedeutet das Teilen von Lebensmitteln für die Millionen von Kleinbauern in armen Ländern, die gezwungen sind, ihre überschüssigen Produkte nicht mehr auf dem lokalen Markt zu verkaufen, sondern sie stattdessen zu einem Spottpreis in wohlhabendere Länder ins Ausland zu exportieren? Wissen wir eigentlich, wie viele Supermärkte es in wohlhabenden Industrieländern gibt, die gerne von diesen preiswerten Produkten profitieren? Oder wie viele Tonnen Lebensmittel sie jede Nacht wegwerfen? Vielleicht spielt die Antwort keine Rolle, denn all diese Lebensmittel und Produkte gehören ja schließlich ihnen. Es bleibt die Tatsache, dass sie kein Interesse daran haben, den Segen unserer Erde, den uns die Natur frei zur Verfügung stellt, zu teilen - oder die Nahrung, die allen gehört, den Menschen frei zugänglich zu machen.

Aus moralischer Sicht wäre es sicherlich richtig zu sagen, dass Lebensmittel nicht vermarktet werden sollten. Vielmehr sollten sie ihrer wahren Bestimmung zugeführt werden, und zwar zum Nutzen für die gesamte Menschheit und nicht der profitorientierten Unternehmen. Wenn Lebensmittel nur für kommerzielle Zwecke angebaut werden, können wir sagen, dass es in einer Welt des Überflusses weniger Lebensmittel für alle gibt. Denn auf dem Weltmarkt gibt es reichlich Lebensmittel, aber sie sind so teuer, dass die Mehrheit der Menschen kaum Zugang zu diesen Grundnahrungsmitteln hat, jedoch steht einer Minderheit eine Fülle von Produkten zur Verfügung. Also wenn Lebensmittel an ein komplexes System marktorientierter Prozesse gebunden sind, macht es keinen Sinn zu sagen, dass wir die Lebensmittel miteinander teilen sollten. Wer teilt seine Nahrung mit wem, und wem gehören diese Nahrungsmittel in erster Linie? Wir müssen den wesentlichen Zweck von Lebensmitteln für den Menschen klar verstehen, bevor wir überhaupt darüber sprechen, wie sie geteilt werden sollten. Wir müssen die Rolle der Nahrung in Beziehung zur gesamten Menschheit verstehen, und folglich die von Gott gegebenen Grundnahrungsmittel rechtmäßig einordnen.

Wir sollten uns folgende Frage stellen: Warum produziert unsere Welt einen solchen Überschuss an Lebensmitteln pro Kopf, und das mit derartig falschen Methoden in der industriellen Landwirtschaft? Um Menschen zu ernähren? Wenn ja, dann gehören die Nahrungsmittel der Welt uns allen; sie gehören nicht den immensen Getreidesilos, wo tausende von Tonnen gelagert werden, um sie für einen profitablen Auslandstransport bereitzustellen. Lebensmittel auf diese Weise zu kommerzialisieren ist ausgesprochen gefährlich, ebenso wie Wasser zu vermarkten. Definitionsgemäß gehören die Lebensmittel unserer Welt denjenigen, die sie täglich zur Ernährung brauchen, das hat mit Teilen nichts zu tun, sondern mit einem gesunden Menschenverstand! 

Ich hoffe, dass diejenigen die angefangen haben über Teilen bezüglich der Lebensmittel zu sprechen, sich dabei auch Gedanken über Gerechtigkeit machen. Denken Sie daran, wenn wir in einer gerechten Welt lebten, ohne Armut und Entbehrung, dann würde die Idee unsere Nahrung zu teilen gar keinen Sinn ergeben, und wäre möglicherweise nie entstanden. Unsere Welt ist gespalten, ungerecht und in Konflikte verstrickt und das ist der einzige Grund warum es notwendig ist über das Teilen von Lebensmitteln zu sprechen. Und nur dann, wenn wir über das Teilen von Lebensmittel zwischen den Ländern sprechen, um Hunger zu beenden, ist es eine wahrliche moralische Idee.

Der Kern des Nahrungsmittelproblems könnte nicht einfacher sein: Es gibt einen riesigen Überschuss von Lebensmitteln in der Welt. Es werden Berge von Getreide und anderen Grundnahrungsmitteln produziert, und diese Produkte müssen dort verteilt werden, wo sie zur Erhaltung des Lebens benötigt werden. Im globalen Sinne: Wenn es in den ärmsten Regionen der Welt Millionen von verzweifelten Menschen gibt, die an Hunger leiden, dann ist es dringendst notwendig die Lebensmittel so zu verteilen, dass diese Menschen nicht weiterhin an Hunger oder Unterernährung sterben.

Dies liegt sicherlich nahe. Bevor sich die Eltern in einer Familie ernähren und kleiden, stellen sie zunächst sicher, dass ihre Kinder alles haben, was sie brauchen. Dies gilt auch analog für die Familie der Nationen. Bevor wir über das Teilen von Lebensmitteln im Zusammenhang mit den reichsten Ländern sprechen, müssen wir zunächst sicherstellen, dass die Kinder in den ärmsten Regionen der Welt gut ernährt und umsorgt sind. Wir würden niemals auf den Gedanken kommen, unser Essen mit Freunden oder Nachbarn zu teilen, während unsere Kinder allein zu Hause sind und nichts zu essen haben. Also das Wort „Notfall“ ist viel näher am Problem der Ernährung als das Wort „Teilen“. Eine globale Ernährungskrise setzt die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit voraus und eine effektive globale Steuerung, damit Nahrungsmittel und Weltgüter mit allen Mitteln - sogar den Militärdiensten – gelenkt und gesteuert werden, um Hunger als oberste Priorität in allen Nationen zu beenden.

*

Lasst uns noch etwas deutlicher werden, wenn wir über das Teilen in Bezug auf Lebensmittel sprechen. Die Kunst des wirtschaftlichen Teilens besteht darin, die Ressourcen der Welt dahin zu lenken, wo sie benötigt werden, um Spaltungen und Entbehrung in all seinen Formen zu beenden. Wenn wir über das Teilen von Lebensmitteln sprechen, bedeutet dies, dass wir unser Denken nicht auf die Ebene unseres eigenen Landes oder unserer eigenen Gemeinschaft beschränken können. Wir müssen auch global denken und in erster Linie in Bezug auf eine Politik, um Hunger zu beenden. Ansonsten ist das Konzept des Teilens von Lebensmitteln nur eine erhabene Idee, die am Ende keine Substanz hat. Wie auch immer, es ist schon oft vorgekommen, dass sich Menschen in einer Gemeinschaft zusammenschließen und die Lebensmittel miteinander teilen, abgeschieden vom Rest der Menschheit. Ihre Experimente und Sharing-Aktivitäten können in ihrer Gemeinschaft schon einen Unterschied machen, aber das hat für alle Anderen kaum eine Bedeutung.

In Griechenland, Portugal und anderen Ländern, die von der Wirtschaftskrise betroffen sind, spenden viele Menschen Lebensmittel an Wohltätigkeitsorganisationen oder an Familien, die nicht genug Geld haben.[1] Das Teilen von Lebensmitteln innerhalb von Gemeinschaften ist zweifellos das Richtige, wenn man bedenkt, dass das Problem des Hungers auch in wohlhabenden Ländern zunimmt. Aber wann wird sich das planetarische Bewusstsein so verändern, dass wir erklären „Ich ernähre nicht nur meinen Nachbarn, sondern die ganze Welt!“? Jetzt, wo viele Länder der Eurozone sich in sozialem Aufruhr befinden, werden wir vielleicht anfangen, Lebensmittel unter uns aufzuteilen. Doch in anderen Teilen der Welt sterben Millionen von Menschen an Hunger, und das schon seit vielen Jahrzehnten. Werden wir auch an sie denken, und nicht nur an unsere Nachbarn, wenn die Wirtschaftskrise sich in unseren eigenen Ländern wieder beruhigt hat?

Es geht nicht einmal darum, "unsere" Nahrungsmittel mit den Hungernden der Welt zu teilen, sondern darum, das Verbrechen des Verhungerns in einer Welt des Überflusses und den anhaltenden Diebstahl von Ressourcen von den Armen der Welt zu stoppen. Es ist wahrhaft eine Frage des Diebstahls und der Illegalität und es sollte für Regierungen illegal sein es zuzulassen, dass jemand aus Mangel an Nahrung stirbt, die so reichlich produziert wird. Das Teilen von Nahrungsmitteln in dieser Hinsicht bedeutet nicht, dass wir persönlich die Nahrung mit den Hungernden in entfernten Regionen teilen müssen. Wenn jemand in unserer Nähe an Hunger leidet und wir Nahrung mit ihm teilen, dann ist das Ergebnis eindeutig gut - diese Person wird nicht verhungern. Aber es gibt mehr als genug Nahrung, genug Boote, genug Flugzeuge und genug Technologie auf der Welt, um sicherzustellen, dass die Nahrung an jeden verteilt wird, der sie braucht. Wie also kommt ein Mensch an einen Punkt, an dem er nicht mehr genug zu essen hat und nicht mehr in der Lage ist, seine Familie zu versorgen? Dieser Frage müssen wir nachgehen, wenn wir uns über dieses Thema im Sinne der Gerechtigkeit Gedanken machen wollen. Lebensmittelpakete von wohlhabenden Haushalten in abgelegene Regionen ferner Länder zu schicken ist nicht die Antwort.

Im Großen und Ganzen scheint es so, dass die aufkommende Diskussion über das Teilen von Lebensmitteln, in die eine oder andere Richtungen gehen kann. Wir können entweder ein neues Konzept rund um die Idee des Teilens von Nahrung erfinden, das sich auf unsere eigene Gesellschaft oder Gemeinschaft beschränkt. Oder wir können unsere Aufmerksamkeit auf die Erkenntnis richten, dass die Produkte der Erde allen gehören, und unser Bewusstsein auf die planetarische Ebene ausdehnen, um die Vision von der einen Menschheit aufrechtzuerhalten. Der erste Weg ist im Wesentlichen konservativ und egozentrisch, wenn wir nur daran denken, was gut für uns selbst und unser eigenes Land ist. Wenn wir aber über die Notwendigkeit des globalen Teilens von Nahrung nachdenken und umdenken, in Begriffen, was für die Welt als Ganzes gut ist, dann birgt die Idee des Teilens, um den Hunger zu beenden in sich wahrhaftig den Kern einer Revolution. Es wird eine revolutionäre Explosion in unserem kollektiven Bewusstsein stattfinden an dem Tag, an dem wir die Offenbarung des Teilens intuitiv erkennen, und zwar: auf der Basis von Gerechtigkeit, auf der Basis von Mitgefühl, auf der Basis von gesundem Menschenverstand und vor allem auf der Basis von Reife und Verantwortung. Wenn wir uns darüber im Klaren sind, was Teilen in globaler Hinsicht bedeutet, und wenn unser Handeln auf einer Revolution basiert, die vom gesunden Menschenverstand im Herzen geleitet wird, dann vielleicht können wir über die Bedeutung des Teilens hinsichtlich von Nahrungsmittel sprechen.

Wenn wir jedoch über das Teilen von Nahrung nur auf der Basis von Wohltätigkeit nachdenken, dann werden wir niemals das wirtschaftliche Verständnis erreichen, das notwendig ist, um allen Bewohnern der Welt Freiheit von Not zu gewährleisten. Wenn wir wirklich sicherstellen wollen, dass jeder Mensch auf der Welt ernährt, behütet und versorgt wird, dann ist Wohltätigkeit eine veraltete Form des Denkens in unseren Gesellschaften, das abgeschafft und schlussendlich in die Vergangenheit verbannt werden muss. Und wenn wir nicht über das Teilen von Nahrung im Zusammenhang mit Gerechtigkeit und der Beendigung des Hungers nachdenken, dann berauben wir das Prinzip des Teilens seiner Noblesse und seiner größeren spirituellen Bedeutung. Dieses Prinzip hat auch eine gewisse inhärente Würde, also sollten wir es nicht mit Sentimentalität oder Vorstellungen von Wohltätigkeit entwürdigen. Natürlich ist es richtig und wichtig, dass wir in einer gespaltenen Gesellschaft, die nicht allen den Zugang zum Grundbedarf des Lebens garantiert, unsere Nahrung auf der Basis der Nächstenliebe zu teilen. Aber die Ressourcen der Welt zu teilen - das ist eine ganz andere Sache.

Wirtschaftliches Teilen auf globaler Ebene ist eine Grundvoraussetzung für die Kunst des Lebens. Es bedeutet, die Dinge an ihren richtigen Platz zu stellen, die Güter der Welt zu lenken und zu leiten, um allgemeine Bedürfnisse zu erfüllen. Und in Bezug auf Lebensmittel bedeutet das, dass wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so verändern, dass das Getreide, das Gemüse, das Obst und andere Nahrungsmittel der Welt da ankommen, wo sie hingehören - vorrangig - auf die leeren Teller der Armen und Hungrigen. Angesichts des enormen Ausmaßes der Krise, hat es in erster Linie weniger mit dem globalen Teilen von Nahrungsmitteln zu tun, sondern mit deren Umverteilung. Denn wie sollen wir jene Lebensmittel, die produziert und rund um die ganze Welt transportiert werden, verteilen, wenn das allein auf der Grundlage des kommerziellen Gewinns beruht? Hier liegt die Wurzel des Problems - im Widerstand jener, deren Interesse nur der materielle Gewinn beim Verkauf von Nahrungsmitteln ist. Und deshalb ist die globale Umverteilung von Lebensmitteln, um den Hunger zu beenden, wie der erste Posaunenschall, der richtige menschliche Beziehungen und Gerechtigkeit auf dieser Erde ankündigt.

*

Versuchen wir nun, ob wir die Bedeutung der Gerechtigkeit in Bezug auf Lebensmittel noch klarer darstellen können. Wenn eine Person in unserer Gesellschaft ein Verbrechen begeht, indem sie andere Menschen tötet, wird diese Person ins Gefängnis gesteckt. Aber selbst dieser Gefangene wird mit grundlegenden Annehmlichkeiten versorgt und bekommt genug zu essen, und es wird ihm von der Regierung nicht erlaubt zu verhungern. Das nennen wir Gerechtigkeit. Und doch haben wir Millionen von Menschen auf der Welt, die von Tag zu Tag in einem lebensbedrohlichen Zustand der Armut leben, und ihre Regierung tut nichts für sie. Welcher sozialen Verbrechen machen sich diese Menschen schuldig? Welche Art von Gerechtigkeit gibt es für sie? Offensichtlich kann es in einer Welt voller Ungerechtigkeit und Verarmung keine Gerechtigkeit geben, wenn die Regierung nicht ihrer Pflicht nachkommt, allen Bürgern zu helfen. Die Rolle der Regierung ist es zu dienen, und zwar nicht nur den Menschen, die sie an die Macht gewählt haben. Es ist ihre Pflicht, allen zu dienen und sie zu schützen, egal wer sie sind und wo sie auf der Welt leben.[2]

Doch was bedeutet das für die Millionen von Menschen, die schuldlos verarmt sind oder an Hunger leiden? Es wäre das Mindeste, wenn man arm ist, wenigstens genug zu essen zu haben. Selbst wenn man keinen Besitz hat oder in der Weltgeschichte herumfliegen kann, sollte niemand Gefahr laufen an Hunger oder Unterernährung zu sterben. Es bedeutet, dass Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Leitprinzip und Gesetz jeder Nation werden muss, was eigentlich genau das Gegenteil der aktuellen Situation ist.[3] Sogar in Indien, dem Land mit der höchsten Anzahl unterernährter Menschen auf der Welt, gibt die Regierung jedes Jahr etwa 40 Milliarden Dollar für ihr Militärbudget aus, trotz der Tatsache, dass es sich nicht im Krieg befindet. Wen will die Regierung schützen, wenn jeden Tag mehrere tausend Kinder der Nation an Krankheiten sterben, die mit mangelnder Ernährung zusammenhängen? Es werden allein in diesem Land mehr als genug Lebensmittel produziert, um alle Menschen zu ernähren. Was hält die Regierung davon ab im Parlament ein Gesetz durchzudrücken, das lautet: “Umleitung der Nahrung zu den hungrigen Millionen!" 

Vielleicht veranschaulicht dies, warum es uns niemals gelingen wird, die verzerrten Prioritäten in der Welt zu ändern, wenn wir unsere Aktivität nur darauf beschränken, Lebensmittel untereinander zu teilen. Was wir jedoch tun sollten, ist, uns zusammenzuschließen und vor jeder Regierung zu demonstrieren mit den Worten: „Genug ist genug!“ Aber anstatt gemeinsam die Regierungen aufzufordern die Nahrung sofort an die Hungrigen zu verteilen, verhalten sich die meisten der Lebensmittel Sharing-Initiativen, als ob eine kriegerische Auseinandersetzung stattfindet. Nahrung wird gespendet, gesammelt, geborgen und neu verteilt, um sicherzustellen, dass diejenigen, die kein Geld haben zumindest Zugang zum Nahrungsmittelüberschuss der Nation haben. Das ist eine ehrenwerte Sache, aber es findet keine Bombendrohung auf unseren Straßen statt, noch ist der Zugang zu Lebensmitteln eingeschränkt.

Warum also erreichen die Lebensmittel nicht die Menschen, die sie dringend benötigen, obwohl mehr als genug für alle da ist? Die Gründe werden ausführlich diskutiert: da der Preis von Lebensmittel von den Launen der Marktkräfte bestimmt wird.  Weil die Kommerzialisierung im Großhandel von Lebensmitteln es ermöglicht, sie zu horten, zu verschwenden, mit ihnen zu spekulieren und sie als Tierfutter an industrielle Mastbetriebe zu verkaufen. Können wir als Reaktion auf die monströsen Ungerechtigkeiten, die sich aus diesem Zustand ergeben, jemanden in unserer Nachbarschaft mit Essen versorgen und dann nach Hause gehen und glücklich sein? Das überwältigende Ausmaß der vermeidbaren Todesfälle aufgrund von Hunger erfordert eine Reaktion von den Regierungen der Welt in Form eines Notfallprogramms.  Also der erste Schritt zur Veränderung dieser Situation ist es zu verstehen, dass wir uns nicht in einem Kriegszustand befinden, dass reichlich Nahrung in der Welt zur Verfügung steht, und dass unsere Regierungen durch ihre rücksichtslose Politik an diesem Nahrungsmangel schuld sind. Wie sonst können sich diese Nahrungsmittelkrisen im biblischen Ausmaß immerzu wiederholen? Die Zeit ist gekommen zu sagen: Genug ist genug!

Es sind die Regierungen der Welt, die die Macht haben, die Gesetze zu ändern, die Konzerne zu regulieren und die Nahrungsmittel dorthin umzuverteilen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Selbst die größten transnationalen Agrarkonzerne sind trotz all ihrer profitgierigen Verschlagenheit kein Gegner für eine vereinte Stimme der Weltbevölkerung. Wie auch immer man es betrachtet, der Schlüssel zur Veränderung liegt in der kollektiven Kraft der einfachen Menschen. Wenn sich genug Menschen zusammenschließen und einem korrupten Regierungsführer sagen, dass er sein Amt verlassen muss, dann wird dieser Politiker gezwungen sein, zu gehen, wie wir in Ägypten gesehen haben. Und wenn genug Menschen die Produkte der riesigen Lebensmittelkonzerne boykottieren, dann werden diese Konzerne gezwungen sein, ihre zerstörerischen Praktiken zu ändern, welche Armut verursachen und Hunger aufrechterhalten. Es liegt an uns, den gewöhnlichen Männern und Frauen guten Willens, uns für die Art von Welt einzusetzen, in der wir leben wollen. Wir sind mit Mitgefühl geboren, um denjenigen zu helfen und zu dienen die weniger Glück haben als wir. Und die Regierungen halten uns davon ab, mit ihren spalterischen Gesetzen und ihrer Politik. Wie lange wollen wir uns noch anpassen, während unsere Mitmenschen an Hunger und Krankheit sterben?

Wir müssen Aktivisten werden und uns zusammentun, egal wo wir leben in der Welt, denn gemeinsam können wir diese Ungerechtigkeit stoppen. Die Zeit ist reif für eine riesige Demonstration, die nicht aufhört, bis die Hungerkrise von unseren Regierungen adäquat angegangen wird. Nicht wie die Proteste gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003, als Millionen von Menschen sich auf internationaler Ebene für ein Wochenende zusammentaten und dann nach Hause gingen, und damit den Politikern erlaubten mit ihren gewinnsüchtigen Strategien so weiter zu machen wie bisher. Wir müssen durchhalten und dürfen nicht aufhören, in jedem Land und in jeder Hauptstadt, bis ein Notprogramm der Lebensmittelumverteilung von den Regierungen auf internationaler Ebene koordiniert wird.

Es wird nicht genug sein, wenn wir unsere Bemühungen der Lebensmittelverteilung nur auf unsere eigenen Kommunen beschränken. Das kritische Ausmaß der Situation ist verpflichtend, uns mit dem Bewusstsein vom Weltgeschehen zusammenzufinden und von unseren Regierungen zu verlangen, dass sofort jedem der Zugang zu Lebensmittel gewährt ist. Auch die Menschen, die vor Ort Lebensmittel verteilen und diejenigen, die sie erhalten, sollten sich zusammenschließen, auf die Straße gehen und für ein unwiderrufliches Ende des Hungers demonstrieren! Ohne den Anstieg einer empörten Öffentlichkeit werden wir niemals Zeuge einer Neuordnung der globalen Prioritäten werden. Zeuge einer massiven Umleitung der Mittel in die ärmsten Gebiete der Welt und einer konzertierten Umstrukturierung der Weltwirtschaft, um sicherzustellen, dass Hunger vollständig abgeschafft wird und nie wieder entsteht.

Aber lassen Sie uns nicht in Versuchung geraten zu glauben, dass unsere derzeitigen Regierungsführer automatisch einem überwältigenden Aufruf der Öffentlichkeit zur Beendigung des Hungers nachkommen werden. Wir wissen, dass die Regierungen der Welt die Mittel haben, um das Leiden von Millionen von Menschen schnell zu beenden, aber das bedeutet nicht, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, dies zu tun. So ist es beispielsweise selbstverständlich, dass nur strategische oder wirtschaftliche Interessen einen Anreiz für eine ausländische Intervention in den vergessenen Konfliktgebieten Afrikas bieten. Ganz zu schweigen von der Aussicht, ein zwischenstaatliches Notprogramm zum Wiederaufbau dieser verwüsteten Regionen und zur Versorgung der Enteigneten zu beschließen. Und selbst wenn der politische Wille für eine solche umfassende Hilfe und Unterstützung vorhanden wäre, werden die derzeitigen Methoden zur Unterstützung der Armen in weniger entwickelten Ländern, wie z. B. die offizielle Entwicklungshilfe, immer unzureichend bleiben. Das sind die Überreste eines sehr alten und zerstörerischen Systems, und es ist höchste Zeit, dass die in Stand gesetzte Wohltätigkeit durch ein internationales Programm kooperativer Maßnahmen ersetzt wird, um Hunger und unnötige Entbehrungen für immer zu beenden.

Werden unsere derzeitigen Regierungschefs also verstehen, was getan werden muss, um das Problem von Armut und sozialer Ungerechtigkeit zu lösen, wenn sie von der Weltöffentlichkeit dazu gezwungen werden? Vielleicht werden sie sofort mit ausreichender Dringlichkeit reagieren. Aber es ist wahrscheinlicher, dass sie es nicht tun werden. Vielleicht ist der erste Schritt der Öffentlichkeit die alten Politiker aus ihren Ämtern zu drängen, wenn sie auf den Status quo beharren, und stattdessen diese einflussreichen Positionen der Macht, mit gewöhnlichen Menschen mit gesundem Menschenverstand zu ersetzen. Der einfach geschulte Mensch sieht die Welt ganz anders als der wohlhabende Politiker, der in Privatschulen und Elite-Universitäten ausgebildet wurde. Der gesunde Menschenverstand ist den gewöhnlichen Menschen in jedem Land eigen, weil sie diejenigen sind, die die Notwendigkeit für Gerechtigkeit sehen. Sie wollen nicht ein "jemand" in den Augen der anderen sein, sondern nur dem Gemeinwohl aller dienen. Sie sind nicht wie die Regierungsbürokraten, die ohne Vision in Übereinstimmung mit einer Ideologie arbeiten, die nur den Reichen, dem Establishment und mächtigen Konzernen dient.

Der gesunde Menschenverstand wurde von herrschsüchtigen Regierungen und unvernünftigen politischen Führern in die Irre geleitet und das ist der Grund, warum er sich in unseren Gesellschaften nie durchgesetzt hat. Die konservativen Staatsoberhäupter sind für die anstehenden Veränderungen nicht gerüstet, und das aus offensichtlichen Gründen. Erstens ist es nicht ihre Schuld, denn sie wurden nicht dazu ausgebildet Richtlinien zu implementieren, um die Menschen der Welt zu ernähren und Jahrzehnte einer zerstörerischen Kommerzialisierung rückgängig zu machen. Zweitens wären sie schockiert, wenn man sie dazu auffordern würde. Sie würden sagen: "Entschuldigen Sie, aber ich habe Milliarden von Dollar an Verträgen mit dem Ausland, und jetzt verlangen Sie von mir, dass ich all die Jahre der Arbeit für unser nationales Eigeninteresse aufs Spiel setze?!" Einen solchen Politiker der alten Ordnung aufzufordern, seine politischen Prioritäten zu ändern, könnte ein gefährlicher Fehler sein, denn wenn man die falsche Person immer wieder ersucht die Forderungen der Öffentlichkeit zu beherzigen, wird das am Ende in Gewalt enden. Und Gewalt hat bei der Aufteilung der Weltgüter überhaupt nichts zu suchen. Aus diesem Grund müssen die alten Regierungen gehen. Wir sollten unsere Zeit nicht mehr damit verschwenden, für sie zu stimmen. Und es macht keinen Sinn, gegen jene Politiker zu protestieren und sie aufzufordern ihre Politik vollständig zu ändern, weil sie es nie tun werden. Sie haben das Amt zu verlassen! Wir müssen sie aus den Ämtern heben! 

Wir müssen die doktrinären Autoritäten durch frisches Blut ersetzen, mit einfachen Menschen, die hier sind, um der Menschheit mit Dankbarkeit, Bescheidenheit und Weisheit zu dienen. Der weise gewöhnliche Mensch wird sich dessen bewusst sein, wofür er gewählt wird, nicht wie der kommerziell orientierte Politiker, der in seinem Amt versagt hat. Es gibt viele erfahrene Menschen, die z.B. in Nichtregierungsorganisationen (NROs) arbeiten, die mit einer Haltung des selbstlosen Dienstes ihre Arbeit machen und genau wissen, welche Veränderungen in verschiedenen Bereichen nötig sind. Das sind die Art von Menschen, die wir brauchen, um neue Richtlinien in der Regierungspolitik einzuführen. Und dann sollten sie gemeinsam an die Vereinten Nationen weitergeleitet werden, um ein internationales Programm zur wirtschaftlichen Umstrukturierung und Neuverteilung der Ressourcen zu formulieren. NROs rund um die Welt leisten die Arbeit, die eigentlich von unseren Regierungen geleistet werden sollte, wie die Rettung der Umwelt, Hungerhilfe, Armutsbekämpfung und die Ausarbeitung neuer Richtlinien, die den Weg zu einer besseren Welt ebnen können. Das, wofür die fortschrittlichen und humanitären NROs stehen, repräsentiert in der Tat das Beste, was unsere Regierungen anstreben sollten.

Also müssen wir die orthodoxen Politiker hinausdrängen, die einfach geschulten Menschen einsetzen, und die Weisheit der NROs muss der Leitstern unserer neuen Regierungsbeamten werden.  Wenn wir erst einmal das Chaos beenden, das von Regierungen verursacht wird, die den spaltenden Regeln der Kommerzialisierung folgen, dann können die Hungrigen endlich essen, der Schaden kann langsam rückgängig gemacht werden, und der Rest wird sich ganz natürlich ergeben. Jede Nation weiß bereits was sie braucht. Und wir brauchen nur auf die Stimmen der angesehensten Denker in diesen Volksbewegungen und die der NRO-Aktivisten zu hören, denn sie werden uns die notwendigen Antworten geben.

*

Als Reaktion auf diese Behauptungen, mögen viele Menschen die Vorstellung einer vereinigten Stimme der Bevölkerung, die sich auf das Leiden der entmutigten Armen konzentriert, als zu idealistisch bezeichnen. Warum hat es zum Beispiel bisher noch keine Demonstration in den Städten gegeben, die für ein Ende eines armutsbedingten Hungers plädieren, wo immer er existiert? Das ist eine wichtige Frage, auch wenn wir die Antwort vielleicht schon kennen: Weil es normal ist, dass in anderen Teilen der Welt Menschen an Hunger sterben. Wir haben uns daran gewöhnt; das geht schon seit Jahrzehnten so.

Was wir tun sollten ist ganz einfach, nämlich gemeinsam vor unsere Regierungen zu ziehen und mit der Macht von Millionen von Stimmen unsere einfache Forderung durchsetzen. Tag für Tag in friedlichem Protest, bis etwas getan wird. Das Nächstliegende, das heute geschieht, ist, dass wir Nahrungsmittel untereinander tauschen oder an Wohltätigkeitsorganisationen spenden oder sie für gemeinsame Festessen bereitstellen. Und die vielen Organisationen, die überall aus dem Boden schießen und sich mit Nahrungsmittel Verteilung befassen, erwähnen meistens nicht einmal die Tatsache, dass Menschen in fernen Ländern hungern. Und warum nicht? Denn wenn wir die Idee des Teilens auf unser eigenes Land oder unsere Gemeinschaft begrenzen, fahren wir damit am sichersten. Wir neigen viel weniger zu der Ansicht, dass Teilen auf einer globalen Ebene passieren muss. Denn dann müssten wir vielleicht über unseren eigenen Lebensstil in Bezug auf die ärmsten Menschen in der Welt nachdenken, oder eventuell einen Standpunkt gegenüber der Regierung und ihrer zerstörerischen Politik einnehmen.

Selbst wenn wir das wahre Ausmaß der Ernährungsunsicherheit in den ärmeren Ländern kennen, würden wir eher in einer begrenzten und egozentrischen Weise auf die Idee des Teilens reagieren, ohne einen Schritt aus unserer Komfortzone zu machen. Lieber machen wir eine Party im Namen von „Food Sharing“ - während Millionen von Menschen an Hunger sterben. Wir können an so einer Sharing Aktivität schon teilnehmen und uns gut dabei fühlen, aber letztendlich ist das nur eine Erweiterung unserer Selbstgefälligkeit, die die Idee des Teilens zu einen“ Ismus“ oder einer Fantasie reduziert. Es bedeutet nichts in Bezug auf die kritische Weltsituation und wird nichts für das Überleben der Menschheit erreichen. Wenn Wasser gestört wird sucht es nach der einfachsten Route, aber es wird versuchen seine Balance wiederzugewinnen, um an den gleichen Ort zurückzukehren. Mit unserer Selbstgefälligkeit ist es genauso. Wir sind ständig auf der Suche nach Sicherheit und einem Ort, wo wir uns vor unseren eigenen Ängsten verstecken können. Selbstgefälligkeit und Angst sind ein und dasselbe. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Wir sind alle durch Ängste belastet, doch wir tun so, als würden wir noch tausende von Jahren leben, auch wenn die Spannungen in der Welt so extrem geworden sind, dass es ohne drastische Veränderungen bald gar kein Leben mehr geben wird. Und wir sind alle in diese Zivilisationskrise verwickelt. Niemand ist von den Weltproblemen freigesprochen, die wir gemeinsam geerbt und wieder neu erschaffen haben, von einem Leben zum Nächsten.  

Also, auf wen sollten wir mit dem Finger zeigen, wenn es um die Grausamkeit des Hungers geht? Wir wissen, dass die Regierungen nicht daran interessiert sind, Lebensmittel dorthin umzuverteilen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Und wir wissen auch, dass die großen Konzerne den Hunger verursachen, indem sie unsere Lebensmittel kommerzialisieren und die Armen marginalisieren. Aber vielleicht sind wir schuldiger als die Regierungen oder die Konzerne. Denn aus unserer Gleichgültigkeit heraus tun wir wenig, um zu verhindern, dass sich diese Situation Jahr für Jahr fortsetzt.

Eine einzelne Person oder Gruppe kann leider keine massiven Demonstrationen herbeiführen, um die Regierungen dazu zu bewegen, Nahrungsmittelknappheit zu vermeiden und sie als oberste Priorität anzugehen. Nur unser gemeinsames Bewusstsein kann zu dem globalen Verständnis führen, dass die Beendigung des Hungers zwingend erforderlich ist und dass es unentschuldbar ist, dass jemand aus Mangel an Nahrung sterben muss. Das heißt, die unnötigen Todesfälle aufgrund von Hunger in einer Welt des Überflusses, sind zuletzt die Konsequenz unserer kollektiven Selbstgefälligkeit. Und es gibt kein Entrinnen aus dieser brutalen Tatsache. Es sind nicht unsere Regierungen, es sind nicht die Konzerne, es ist keine Verschwörung einer geheimen Kabale, sondern Wir sind es, die die Hauptschuld tragen.

Was bedeutet schlussendlich das Prinzip des Teilens in Bezug auf die Ernährung? Wie wir bereits festgestellt haben, bedeutet dies ein sofortiges Handeln zur Beendigung des Hungers durch ein internationales Notprogramm. Es bedeutet, sicherzustellen, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind Zugang zu den Nahrungsmitteln hat, die überall verfügbar sind. So einfach ist das. Im Gegensatz zu dem was die Vertreter der Kommerzialisierung uns glauben machen wollen, ist es keine komplizierte Sache.

Das, was wir als System bezeichnen, hat durch seine komplexen Gesetze und Politiken eine solche Spaltung in unserer Gesellschaft geschaffen, dass am Ende niemand mehr wirklich versteht, was das System ist. Aber das bedeutet nicht, dass wir über das Problem der Nahrung auf komplizierte Weise nachdenken müssen. Als menschliche Wesen teilen wir alle die gleichen Grundbedürfnisse. Das Prinzip des Teilens, wenn es auf die Verteilung von Nahrungsmitteln angewandt wird, bedeutet zumindest, dass niemand auf dieser Welt jemals wieder an Hunger stirbt. Es wird bedeuten, dass jeder Zugang zu gesunden und nahrhaften Lebensmitteln hat, bis schließlich das Wort "Teilen" nicht mehr mit dem Wort "Lebensmittel" in Zusammenhang gebracht wird.

Die wahre Bedeutung der Umsetzung des Prinzips des Teilens in das Weltgeschehen besteht darin, ein Gleichgewicht innerhalb der Menschheit und der Natur herzustellen, so dass jedem Menschen und jedem Lebewesen auf dieser Erde das gottgegebene Recht auf Entfaltung gewährt wird. Daher wird ein weltweites Teilen der Nahrungsmittel viel mehr bedeuten als die Beseitigung von Hunger, denn es wird zu einem neuen globalen Bewusstsein führen, in unserer Beziehung zueinander und in Beziehung zur Natur. Natürlich muss sich dieses Bewusstsein in einer fest verankerten veränderten Regierungspolitik widerspiegeln, wie z.B. in den ungerechten Handelsgesetzen und den perversen Agrarsubventionen. Unzählige Gesetze müssen möglicherweise abgeschafft werden, wenn wir die Lebensmittel aus den komplexen Prozessen der Kommerzialisierung befreien wollen. Auf lange Sicht werden wir lernen müssen einfacher zu leben, damit wir nicht mehr Lebensmittel produzieren als wir brauchen, oder unnötig Lebensmittel verschwenden. Solange wir kontinuierlich mehr und mehr Nahrung für den endlosen Profit im Handel produzieren, zerstören wir sinnlos die Erde, während nicht dafür gesorgt wird, dass jeder satt und gut genährt ist.

Die erste Stufe des weltweiten Teilens von Nahrung wird also ein Notfallprogramm sein, zur Umverteilung von Getreide und anderen lebenswichtigen Nahrungsmitteln. Und aus dieser Umverteilung entsteht die notwendige zweite Phase: Eine neue, einfachere Beziehung zu Nahrung, so, dass wir nur produzieren was wir brauchen und die biologischen Prozesse unserer Erde nicht weiter schädigen. Dies wiederum wird eindeutig die Rolle der riesigen Agrarkonzerne betreffen. Auch sie müssen durch die vereinte Kraft der Weltöffentlichkeit dazu gezwungen werden ihren "fairen Anteil" zur Umverteilung von Nahrungsmitteln zu zahlen und gleichzeitig ihre derzeitige Herangehensweise an die industrielle Landwirtschaft drastisch zu reformieren.

All das hängt schlussendlich von unserer kollektiven Bereitschaft ab, uns zu versammeln und auf den Straßen zu demonstrieren, wie noch nie zuvor. Bis sich alle internationalen Gremien auf neue wirtschaftliche Regeln einigen, so dass jedem der Zugang zu ausreichender Nahrung garantiert wird. Wir wissen, dass wir die finanziellen Mittel dazu haben, auch wenn wir die Steuern umleiten müssen, die zu Unrecht ins Rüstungsbudget einfließen. Wir wissen, dass Nahrung, Fachwissen, Kapazitäten und alle anderen notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Also, worauf warten wir noch? Lasst uns vor unseren Regierungen vereinigen, um beispiellose Maßnahmen zur Beendigung des Welthungers zu fordern!

 

Noten

[1] Diese Beobachtungen wurden im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise gemacht, die zwischen 2010 und 2012 ihren Höhepunkt erreichte.

[2] Eine solche Erklärung mag kontrovers klingen, ist jedoch die Grundlage des internationalen Menschenrechts Gesetzes. Alle Regierungen haben ihre Verbindlichkeit erklärt, die Menschenrechte nicht nur innerhalb ihrer eigenen Grenzen, sondern auch extraterritorial zu respektieren, zu schützen und zu erfüllen. Sie ist in der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und zahlreichen anderen internationalen Verträgen verankert. Weitere Informationen finden Sie in den Maastricht-Grundsätzen zu extraterritorialen Verpflichtungen von Staaten im Bereich der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte.

[3] Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Resolution 217 A der Generalversammlung): 

1.  Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.

2.    Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche genießen den gleichen sozialen Schutz.

 


Mohammed Sofiane Mesbahi ist STWR‘s Gründer.

Redaktionelle Mitarbeit: Adam Parsons.

Übersetzung von Sonja Scherndl & Ute Redl

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