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Ein Diskurs über Ideologien, Überzeugungen und ‘Ismen’

STWR
2015年1月16日

Das Leiden der Menschheit ist uralt und jede Seele hat alles miterlebt. Wählen Sie weiter rechts, links oder die Mitte, wie bisher und durch all Ihre Inkarnationen hindurch, machen Sie Ihre Seele blind für die Vision der Einen Menschheit.

Wählen Sie sich, und damit die Liebe, die Existenz der Seele und ihre Absicht, und werden Sie so zum Botschafter für alles was lebt … denn die Liebe zur Menschheit beinhaltet die Liebe zum Leben selbst und die Liebe zu Gott, so könnte man sagen.


Die Probleme der Menschheit haben ein derartiges Ausmaß erreicht, dass es für die Regierungen entscheidend wird, das Prinzip des Teilens im eigenen Land und zwischen den einzelnen Ländern einzuführen. Es ist in mehrfacher Hinsicht wichtig: Erstens, um die Freude und Kreativität, die in jedem Menschen inhärent ist, lebendig werden zu lassen, da sie durch wirtschaftliche Not und sozialen Zusammenbruch lahmgelegt ist und weil die Depression weltweit ein epidemisches Ausmaß angenommen hat. Zweitens, im wahrsten Sinne des Wortes, für die Millionen von Männern, Frauen und Kindern, die ohne ausreichende Mittel ums Überleben kämpfen, und die täglich sinnlos an Armut und Krankheit sterben. Und drittens muss das Prinzip des Teilens in die Wirtschaftspolitik integriert werden, um bei den zu erwartenden Umweltkatastrophen überhaupt noch eine Chance zu haben, denn die notwendige Zeit für eine Transformation unserer Gesellschaften läuft sehr bald ab. Der Planet selbst ist krank und in einem kritischen Zustand und nur Teilen kann die notwendige Heilung und Abhilfe schaffen.

Aber in all diesen Anliegen haben wir dasselbe Dilemma, denn der wesentliche kritische Faktor ist das gemeinsame Verständnis dafür, dass Teilen wahrhaftig die Lösung für unsere Probleme ist und damit unsere letzte Hoffnung. Ohne die Erkenntnis der breiten Öffentlichkeit, dass Teilen tatsächlich der einzige Ausweg ist, ist es unmöglich dieses verlorengegangene Prinzip wieder in der Weltpolitik zu etablieren. So stellt sich die Frage, wie kann man das zu Bewusstsein bringen?  Was könnte eine große Anzahl von gewöhnlichen Menschen dazu bringen, die Dringlichkeit der Weltlage zu erkennen und zu begreifen, dass wir alle die gleiche Verantwortung haben uns sozial zu engagieren und uns als eine Einheit zu begreifen?

Das zu beantworten ist schwierig angesichts der Selbstgefälligkeit, die in modernen Gesellschaften endemisch ist, und der freie Wille der Menschheit es unmöglich macht, vorherzusagen, wie sich künftige Ereignisse entfalten werden. Wie wir schon in unseren vorhergehenden Untersuchungen begründet haben, ist die Kommerzialisierung heute an sich nicht die größte Gefahr in der Welt, sondern unsere ständige Identifikation mit ihren inneren und äußeren Erscheinungsformen, die unsere Intelligenz in die entgegengesetzte Richtung von Natur und spiritueller Entwicklung leiten. So formen unsere Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit unsere Persönlichkeit zu einem vulgären Phänomen inmitten all der außerordentlich Armen und Hungrigen. In der Tat sind unsere fehlgeleiteten Persönlichkeiten eine Last für Mutter Erde und sogar eine Last für die menschliche Seele geworden. Aus der Distanz betrachtet, muss die Menschheit wie eine Herde aussehen, die sich an Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit weidet, während die gutartigen Kräfte der Evolution stillschweigend ihren natürlichen Lauf nehmen innerhalb der unveränderlichen Gesetze im Königreich der Natur, und der freie Wille der Menschheit es unterbindet sein eigenes Schicksal zu bestimmen. Daher der Schmerz jedes menschlichen Lebens, der unvermeidliche Kummer und die langsamen Fortschritte durch Raum und Zeit auf diesem unglücklichen Planeten, auf dem wir leben.

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Wir haben uns bereits mit der bösartigen Gerissenheit und Subtilität der Vermarktung auseinandergesetzt, sowie ihrer trügerischen und schwer fassbaren Natur welche eng mit unserer Selbstgefälligkeit einhergeht, individuell und kollektiv. Man könnte sagen, dass die Kommerzialisierung sich mit unserer Selbstgefälligkeit aus rätselhaften Gründen verbündet hat, und schließlich dazu führt, dass es uns gleichgültig lässt, wenn wir hören wie Menschen in fernen Ländern an den Folgen von Armut sterben. Es ist von zentraler Bedeutung für unsere Nachforschungen zu verstehen warum das Prinzip des Teilens in unserer Gesellschaft ignoriert wird, ebenso wie die bestehende Beziehung zwischen Selbstgefälligkeit und Erkenntnis, was mitunter eine erlösende Wirkung auf unser Bewusstsein haben könnte. Eine vollständige Untersuchung, wie Selbstgefälligkeit intellektualisiert wurde und als normal erscheint, haben wir noch nicht durchgeführt, und das können wir auch erst unternehmen, wenn wir unsere Überzeugungen, Ideologien und Ismen in all ihren Formen näher betrachten.

Wenn wir die Bewegung der Gedanken sehr genau beobachten, können wir wahrnehmen, wie die vielen Ismen, die jede Gesellschaft charakterisieren, eine große Rolle spielen bei der Konditionierung gewöhnlicher Menschen, und uns wiederum verwirrt, ängstlich und selbstgefällig gemacht haben. Die meisten Menschen sind im Grunde prädisponiert, anderen gegenüber guten Willen auszudrücken, aber in der Geschichte der Menschheit wurden wir immer wieder in die Irre geführt durch unsere ahnungslose Identifikation mit Überzeugungen und Ideologien. Als Ergebnis sind wir alle von Verwirrung und Angst überschattet, bis die Seele ihren Zweck in diesem Leben nicht mehr erfüllen kann. In einfacher psychologischer Hinsicht kann ein Ismus als eine mentale Gedankenform gesehen werden. Einer, der uns innerlich als auch äußerlich trennt und in die Irre führt, und effektiv einen dichten Nebel oder „Glamour“ in unserem Geist erzeugt, welcher das Mitgefühl daran hindert, das Herz mit seiner Weisheit wieder aufblühen zu lassen.

Ismen aller Art können eine zutiefst negative Auswirkung auf unsere Persönlichkeit haben. Durch eine ständige illusorische und falsche Identifikation mit Überzeugungen, führt unsere mentale Konditionierung schließlich zu spiritueller Blindheit gegenüber der wahren Realität des Lebens. Wir begrenzen damit die Entwicklung unserer bewussten Wahrnehmung und auf gesellschaftlicher Ebene halten wir gemeinsam ganze Nationen davon ab sich im Rahmen ihrer jeweiligen Bestimmungen schneller zu entwickeln. Die Geschichte der menschlichen Zivilisation, aus dieser inneren Perspektive, ist wirklich die Geschichte der Ismen. Das ist die unangenehme und schmerzliche Wahrheit unserer Existenz. Die daraus resultierende Angst, Verwirrung und Selbstgefälligkeit ist ein gefährlicher Zustand des Seins, womit wir den materialistischen und dunklen Kräften erlaubt haben uns zu umhüllen. Das hat Teilung und Zerstörung durch die Jahrhunderte verursacht, bis zum Punkt unseres heutigen planetaren Chaos.

Wir denken in der Regel an Ismen nur in Bezug auf die großen politischen Philosophien, religiösen Lehren oder markanten Theorien oder Bewegungen wie Sozialismus, Islamismus, Existentialismus und so weiter. Aber Ismen werden selten als psychologische Faktoren in unserem Bewusstsein gesehen, die unsere Erkenntnis in Bezug auf Wahrheit und Wirklichkeit hemmen und sogar unsere grundlegende Ethik und Moral gefährden. Es gibt Myriaden von Möglichkeiten wie Ismen in allen Bereichen des Lebens zum Ausdruck gebracht werden können, und ein akademischer Ansatz zum Verständnis ihrer Bedeutung wird uns hier nicht weiterhelfen. Denn der Akademiker trägt ebenfalls die Bürde der Verantwortung für das Fortbestehen der Ismen, die uns alle gefangen halten. Außerdem betrachten nur wenige Wissenschaftler die tiefere Bedeutung und Auswirkungen der Ismen aus der Sicht unserer psychologischen Entwicklung oder unserer geistigen Evolution.

Auf der gegenwärtigen Stufe der menschlichen Entwicklung, leben und bewegen wir uns in einem planetaren Zirkus der polarisierenden Gedankenformen. So wie sich die Kräfte der Kommerzialisierung an unserem Wunsch „etwas zu werden“ nähren, dem sogenannten Erfolg in der modernen Gesellschaft, stärken sich wiederum die Ismen verschiedener Formen an unserer geistigen Konditionierung und Identifikation mit unseren Überzeugungen. Ein „Ismus“ kann nicht ohne den Prozess der Identifikation und am Festhalten an Überzeugungen existieren.

Jedoch spielen sie auch eine potenziell nützliche und gesunde Rolle für das Wachstum des Selbstbewusstseins, insbesondere im Hinblick darauf, dass sich ein Kind innerhalb seiner neu gebildeten Ideenwelt entwickeln kann. Als einfache Analogie: ein Ismus sollte wie eine Rakete auf einer Raumfähre sein, wenn sie die Erdatmosphäre verlässt, muss sie abgestoßen werden, um es den Astronauten zu ermöglichen in die Umlaufbahn einzutreten. Ebenso kann ein Ismus einem Kind bei seiner Entwicklung behilflich sein, wenn es innerlich bewusst von einem Mentor geführt wird, der sich der Tatsache bewusst ist, dass der Ismus am Ende wieder fallen gelassen werden muss.

Das Problem beginnt, wenn ein Elternteil oder ein Lehrer mit einer beliebigen Anzahl von Ismen selbst konditioniert ist. Das Kind wird dann mit belastendend Meinungen und Ideologien durcheinandergebracht und tritt so ins Erwachsenenleben ein. Schon nach kurzer Zeit kann ein bestimmter Ismus frei und unkontrolliert im Denken des Einzelnen entstehen und anderen Menschen schaden, durch das Aufbürden von Meinungen. Das gedeiht alles aus einer bloßen Ansicht heraus, an die wir uns klammern, bis wir komplett damit identifiziert sind. Bis zu einem Grad, dass ich womöglich jemanden angreife oder sogar töte, weil jemand meine Ismen oder meinen "Glauben an eine Weltanschauung" beschimpft, und ich mich verletzt fühle. Das geschieht häufig im Kontext ethnischer und religiöser Konflikte. Der Verstand hat somit die Dominanz übernommen und das Herz kann nur hilflos und in Stille warten, bis der Verstand die hartnäckige Täuschung, die ihm suggeriert wurde, überwindet.

Ein Ismus in seiner vielfältigen Ausdrucksform kann somit als eine Art biologischer Computer verstanden werden, der mit Glaubenssätzen und Ideologien programmiert ist, und deren andauernde Identifikation in die Persönlichkeit (über das Denken) eingepflanzt wird. Der Hauptgrund, warum wir uns mit Ismen identifizieren, ist um uns in einer Welt, die von Misstrauen, Angst und Unsicherheit geplagt ist, sicher und angenehm zu fühlen. Jeder sehnt sich nach psychischer als auch physischer Sicherheit, und die großen religiösen Ismen insbesondere können uns sowohl Kontinuität und Ordnung als auch das nötige Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit geben. Wenn wir einem Kind religiöse Überzeugungen oder Traditionen übermitteln, liegt darin auch ein Moment des Schutzes.

Aber wenn eine kristallisierte Gedankenform einem beeinflussbaren Geist von klein auf gewaltsam aufgezwungen wird, dann ist es für dieses Kind schwer möglich, den Glauben mit Bewusstsein und Distanz richtig einzuordnen, bis es ihn dann schließlich loslassen kann. Was auch immer das Motiv eines Lehrers oder Erziehungsberechtigten sein mag, die Bewusstseinsbildung eines Kindes durch das Auferlegen eines schädlichen Ismus einzuschränken, ist jedenfalls eine grobe Verletzung des freien Willens des Menschen. Wenn wir zum Beispiel einen jungen Menschen in unserer Obhut dazu zwingen ein "guter Christ" oder ein gläubiger Anhänger des Judentums zu werden, dann belasten wir das Denken des armen Kindes mit dem jahrhundertelangen Schmerz dieser Religion. Die Absichten mögen gut sein, aber die Auferlegung eines tief verwurzelten Glaubenssystems kann das Bedürfnis eines Kindes nach psychologischer Sicherheit nur verzerren und letztendlich seinen Weg zu innerer Freiheit und Selbsterkenntnis behindern.

Hier ist es wichtig zu berücksichtigen, dass wir nicht versuchen die verschiedenen Formen der Ismen zu verstehen, wie zum Beispiel die Lehren des Buddhismus oder die philosophischen Sichtweisen, die den Liberalismus definieren. Wir werden eher versuchen, die tieferen Ursachen dieses eigentümlichen, psychologischen Phänomens zu begreifen, und innerlich für uns selbst wahrnehmen, wie die Kreation von Ismen in der Gesellschaft so allgegenwärtig geworden ist, dass sie uns irgendwann emotional schädigen und die Entwicklung unseres Bewusstseins bremsen werden. Ismen sind in jeder Familie, Gruppe oder bei jeglicher kollektiven Aktivität beteiligt, einige sind harmlos und andere werden zum Zweck der Macht- und Kontrollmanipulation eingesetzt, vor allem im Bereich der Erziehung, Religion und Politik. In gewisser Weise sieht jeder das Leben durch den einen oder anderen Ismus. Zum Beispiel, wenn wir von „charakterbildend“ sprechen, dann ist das eine Form von Ismus oder wenn wir sagen „So bin ich halt“ dann ist das ein neurotischer Ausdruck eines Ismus – obwohl jeder der in einer Gesellschaft lebt, die mit Ismen überfrachtet ist, zwangsläufig in irgendeiner Weise gestört ist.

Eine Familie an sich kann ein Ismus sein, so wie das Verlangen reich oder berühmt zu sein, ein Ausdruck eines äußerst korrupten Ismus ist. Selbst unsere Identität innerhalb der Gesellschaft ist ein Ismus, welcher durch falsche Lebenshaltungen von allen Seiten derartig bombardiert wird, bis die Ismen dann irgendwann tief in unserer Persönlichkeit verankert sind, in unserer Wahrnehmung, und somit wie wir uns selbst sehen. Wir können sogar einen Ismus im Spiegel entdecken, der uns zeigt wie unsere Persönlichkeit sich mit Ihren glamourösen Überzeugungen identifiziert, und manche Menschen sogar zu der Überzeugung bringen „Ich bin der Auserwählte“. Die Menschheit ist buchstäblich eine Fabrik von Ismen als Folge vielfältiger Faktoren, einschließlich einer allgemein emotionalen Haltung dem Leben gegenüber, allgegenwärtiger Gedankenkonditionierung und einer mangelnden inneren Wahrnehmungsfähigkeit und Selbsterkenntnis. Das Denken hat die Fähigkeit sich mit dem zu konditionieren was andere glauben, und es ist interessant zu beobachten, wie sich die Persönlichkeit oft absichtlich mit gedanklichen Konditionierungen impft, um in einer sozialen Gruppe akzeptiert zu werden. Die Tatsache, dass überall um uns herum Ismen herrschen, bedeutet ausnahmslos, dass wir selbst aus diesen Ismen heraus leben. Es ist also nicht "Ich denke, also bin ich", wie der Philosoph sagt, sondern "Ich glaube, also bin ich."

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ismen im Wesentlichen auf unserem psychologischen Bedürfnis nach Geborgenheit und Sinngebung, Gewissheit und Bestimmung beruhen. Da wir aber in einer Gesellschaft leben, die von endlosen widersprüchlichen Ismen und Überzeugungen durchdrungen ist, verharrt unsere Existenz in einem tief verwurzelten Gefühl von Sinnlosigkeit, Verwirrung und Angst. Wir beobachteten, dass unsere Identität oder tatsächliche Existenz effektiv zu einem Ismus geworden ist, daher ist die von Moment-zu-Moment-Erfahrung des „Seins“ in unserem Bewusstsein auch von Angst durchdrungen. In einer Gesellschaft, die unzähligen Ismen und Überzeugungen unterworfen ist, scheint es fast so, als ob die Lieblingsbeschäftigung der Menschheit darin besteht, besorgt und ängstlich zu sein, wenn auch unbewusst und oft ohne Grund.

Wir sollten aus uns selbst heraus die vielen schwerwiegenden Folgen entdecken, die sich aus unserer ständigen Identifikation mit Ismen ergeben, die in der Regel automatisch in unserem Unterbewusstsein abläuft. Das bedeutet, dass wir vorwiegend in dieser konditionierten Geisteshaltung leben und auf dieser Basis handeln, selbst wenn wir denken, dass unsere Handlungen frei seien und nicht auf Konformität oder imitierenden Überzeugungen basieren. Das heißt, dass wir die Dinge nicht sehen, wie sie sind, sondern wie wir glauben, dass sie sein sollten. Ein Geist, der mit Ismen angefüllt ist, kann die Realität des Lebens nicht sehen und hat nicht die Fähigkeit im Moment zu leben, die Schönheit des Lebens zu schätzen ohne sie benennen zu müssen oder die Stille der Gedanken zu erfahren, ohne ständig zu messen, Vergleiche zu ziehen und Bilder zu projizieren.

Das ist das unausgesprochene Leid, das wir innerhalb unserer Ismen erleben. Es erlaubt uns nicht zu erfahren wer wir wirklich sind, weil wir immer unserer Konditionierung folgen und dem was sie uns aufträgt. Wahrscheinlich wissen wir gar nicht, was es bedeutet, "Selbsterkenntnis zu erlangen". Wir sind also nicht in Kontakt mit unserer wahren Natur, wir können uns nicht so sehen, wie wir sind, und wir werden uns nicht erlauben so zu sein, wie wir wirklich sind. Es bedeutet, dass sich heute viele Menschen ihres inneren Selbst nicht bewusst sind und sie wollen oft nicht allein sein in der Stille dieser Gegenwart, denn das "Ich" wird von dem konditionierten Verstand gefangen gehalten. Sobald der Geist aktiv ist, ist er in einem endlosen Kreislauf der Ismen und Überzeugungen gefangen, und das Herz ist dazu verbannt still zu sein, bis der Geist sein Gleichgewicht findet und Vernunft annimmt. Dann kann man hoffentlich mit gesundem Menschenverstand zu denken beginnen. Ismen sind laut, störend und spalten, während das Herz seine Präsenz nur über Bewusstsein und Stille offenbaren kann.

Im persönlichen Bereich können Ismen aller Art zur Verleugnung von Intelligenz, Kreativität und Selbstbewusstsein führen. Auf einer breiteren Basis können sie die öffentliche Verbreitung von wahrer Bildung verhindern, ebenso wie den Ausdruck von gutem Willen und rechten menschlichen Beziehungen. Es sind jedoch die dominanten Ismen der Menschheitsgeschichte, welche den stärksten Schaden und die Spaltung unserer Gesellschaften bewirkten. Während wir dies aus historischer Sicht in Bezug auf die großen politischen und religiösen Ideologien klar verstehen können, ist es viel subtiler zu erkennen, dass es auch ein psychologischer Akt der Gewalt gegen einen selbst ist, sich als Kommunist oder Sozialist zu definieren, als Links oder Liberal, als anarchistisch oder neokonservativ oder sogar als Christ, Jude, Hindu, Buddhist, Theosoph und so weiter. Die Lehren und Überzeugungen der verschiedenen Ideologien und Doktrinen sind nicht schuld, und sie können als wertvolle Richtlinien dienen unsere Gedanken nach oben hin auszurichten, zu einem höheren Verständnis und Zweck. Aber diese Richtlinien werden gefährlich und spaltend, wenn sich die Menschheit ganz und gar mit solchen Systemen und Überzeugungen identifiziert, und sie damit zu einem Ismus macht der wiederum andere Ismen bekämpft.

Der Glaube an sich ist nicht gefährlich, nur der Glaube an den Glauben, der durch falsche Identifikation aufrechterhalten wird. Sich selbst als Atheisten zu bezeichnen ist eine Trennung und ein Akt der Gewalt, denn der Atheist kann nicht ohne eine oppositionelle Gruppe, die an Gott glaubt, existieren. Und wo es Spaltung gibt, gibt es auch Gewalt - eine geistige, oder psychische, wenn nicht sogar physische. Wenn ich mich als Muslim bezeichne und du ein Christ bist, dann gibt es nichts Menschliches in dieser Trennung. Schlimmer noch, wir sind durch den Namen eines Gottes geteilt, der allein durch unsere unzähligen Überzeugungen definiert wird.

Das mag uns zu folgender Frage führen: Beruhten vergangene, alte Kriege wirklich auf Religion oder waren sie das Ergebnis unserer irrtümlichen Identifikation widersprüchlicher Überzeugungen? Von einer weltlichen Perspektive aus gesehen bezeichnen wir das als Geschichte, aber von einem esoterischen oder spirituellen Standpunkt aus gesehen, kann man es auch als ein gewaltiges menschliches Drama ansehen, daher die fortdauernde Notwendigkeit eines Shakespeare im Gedächtnis der Menschheit. Und während dessen befindet sich das Selbst als Geisel gefangen in undurchdringlichen Ismen - inmitten all dieser unnötigen Konflikte und Tragödien - und schaut von einem Leben zum nächsten ihrer fehlgeleiteten Persönlichkeit hilflos zu.

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Eine innere Untersuchung dieses uralten Problems kann uns helfen, zu verstehen, warum das Prinzip des Teilens keine Anziehungskraft oder tiefere Bedeutung für die meisten Menschen in der heutigen Zeit hat, wenn wir auf Schritt und Tritt in einen Malstrom polarisierter Ismen und Überzeugungen geraten. Egal, welche Richtung man beispielsweise in der Arena der Politik nimmt, beschert einem das sofort einen Ismus, von der einen oder anderen Fraktion. Wenn Sie als Politiker versuchen eine gerechtere Verteilung des Reichtums und der Ressourcen zu bewirken, werden Sie sofort als Sozialist bezeichnet. Wenn Sie versuchen, freie Bildung und kostenlose Gesundheitsversorgung für alle zu fördern, werden Sie wahrscheinlich als Kommunist bezeichnet werden. Wenn Sie in der Mitte bleiben, um zu versuchen eine Mehrheit der Wähler zu gewinnen, werden andere Sie einen schmutzigen Kapitalisten nennen. Bis zu dem Punkt, wo sich die Menschheit in so vielen sinnlosen Streitigkeiten und Wortgefechten erschöpft, und sich wie eine Klasse anstrengender Schulkinder benimmt.

Es sind nicht die Politiker, die mehrheitlich für all die Kämpfe wider den gesunden Menschenverstand und die Vernunft verantwortlich sind, sondern wir, weil wir unseren sozialen Fortschritt durch diese ständige Identifikation mit dem Auf und Ab der politischen Ismen blockieren. Wir haben zuvor schon erwogen, wie die Kommerzialisierung uns Glück verspricht, um uns zu Komplizen bei der Aufrechterhaltung des Systems zu machen. In ähnlicher Weise wie das Theater der Politik unsere Treue aufruft, indem sie uns ein gewisses Maß an Würde und Hoffnung verspricht. Wir fühlen uns würdig, wenn wir uns mit den Überzeugungen einer politischen Partei identifizieren, und in jeder sozialen Revolution oder Anhängerschaft gibt es ein Gefühl der Würde unter denen, die sagen: "Wir sind das Volk" oder "wir wissen, was richtig ist". Aber es ist eine falsche Würde, die wir aufrechterhalten, wenn unsere Ideologie auf Widerspruch und Konflikt basiert. Eine Ideologie, die konträr zu einer anderen Ideologie ist, wird sich in einem Kampf der Ismen und Überzeugungen selbst verlieren, in der die Menschheit als solche schließlich zum Feind wird.

Die Grundsätze des Kommunismus waren sicherlich ein solcher Fall, sie wurden nicht nur als Instrument zur Verletzung des freien Willens ganzer Bevölkerungen manipuliert, sondern auch als Gegensatz zu einer Reihe von Prinzipien eingesetzt - die von Anfang an den Untergang der Sowjet Union vorherbestimmten.  Die wahren Prinzipien des Kommunismus haben sich tatsächlich nie manifestiert, und sind immer nur innerhalb der Gesellschaft leise mitgeschwungen. Der Kapitalismus ist jetzt ein einsamer Junge, der den Krieg von Ismen am Ende gewonnen hat, da der Verstoß gegen den freien Willen in kapitalistischen Gesellschaften zunehmend verborgen und marginalisiert ist. Es ist ein sehr anspruchsvoller Ismus, der für alle die sich als »Kapitalisten« definieren keine spezielle Gemeinde hat, und es ist ihm gelungen, sich auf hinterhältige Weise hinter der Fackel der Freiheit oder der Idee der individuellen Freiheit zu verstecken. Dennoch wird das in der Gesellschaft Stress erzeugen, so lange wir in Kategorien von Kapitalismus oder Sozialismus, Linke oder Rechte denken, und allein deren Existenz wird unweigerlich zu Spaltung und damit zu Leid führen.

In dem Moment, wo man sagt "Ich bin Sozialist" oder "Ich bin Antikapitalist", ist das sowohl aus psychologischer wie spiritueller Perspektive der Anfang von Krieg. Es ist der Beginn eines Konfliktes zwischen dir und mir, der inneren Unruhe und der psychologischen Spaltung. Sich selbst Sozialist zu nennen, oder sogar zu denken, dass man gegen eine Ideologie wie Kapitalismus ist, ist die Essenz des Konflikts, bei dem Sie sich innerlich von der menschlichen und der geistigen Einheit separieren. Es ist absurd von einem personifizierten Ismus zu erklären: "Wir wissen, was das Beste für alle ist", und einem gegnerischen Ismus gegenüber zu behaupten: "Wir haben eine bessere Idee, um die Gesellschaft zu organisieren." So haben alle politischen Ismen versucht, ihre Kämpfe um die Vorherrschaft zu gewinnen, und sind dennoch unvermeidlich gescheitert. Denn es kann niemals Frieden oder wirklichen sozialen Fortschritt geben, solange wir versuchen, die Welt auf der Grundlage von Konflikten durch Ismen zu verändern. Auch wenn Christus selbst plötzlich auftauchen würde und erklärte, dass die einzige Zukunft für die Menschheit der Christliche Sozialismus sei, könnte das unmöglich im Interesse aller sein.

Die politischen Ismen werden sehr speziell in ihrem Mechanismus, wenn sich die Persönlichkeit mit ihnen identifiziert. Sie werden dann nach längerer Zeit des Bestehens immer subtiler und schwerer fassbar. Durch die sorgfältige Beobachtung des inneren Konflikts, der aus unserer ständigen Identifikation mit politischen Überzeugungen und Ideologien herrührt, können wir die psychologische Beziehung, die zwischen solchen Ismen und unserer Selbstgefälligkeit besteht, allmählich erkennen. Wie wir in einer Gesellschaft bei einer Wahl abstimmen, die durch die Polarisierung der Ismen zerrissen wird, ist oft in Wahrheit Ausdruck unserer Selbstgefälligkeit.

Als Analogie dazu:  wenn eine Wahlkampagne läuft und Politiker auf der Straße Stimmwerbung betreiben, könnten wir die Politiker als Auto betrachten, das nicht ohne Benzin fahren kann. Das Benzin wird in diesem Fall durch unsere Selbstgefälligkeit repräsentiert, die wir durch die Stimmzettel zum Ausdruck bringen. Doch nach der Wahl, wenn das Auto einen Unfall hat oder komplett zusammenbricht, beschuldigen wir die Politiker, die uns mit Ihren Versprechungen getäuscht haben - trotz der Tatsache, dass ohne unser 'Benzin' diese Katastrophe nicht passiert wäre. Wir haben dem Politiker geglaubt, dass er ein gutes Auto hat, somit haben wir uns an den „Glauben eines Glaubens“ angeschlossen und gaben dem Politiker einen Freibrief mit dem Fahrzeug zu tun was er will. Und was die meisten von uns dann machen, wenn alles schief geht, ist ein anderes Auto oder einen anderen Ismus zu wählen, den wir dann mit Benzin füllen können, anstatt sich mit der Gesellschaft in kreativer Weise zu beschäftigen und unsere Rolle bei der Heilung einer gespaltenen Welt zu spielen.

Auf diese Weise wird die Abstimmung beispielhaft für die ausweichende Verbindung zwischen Ismen und unsere Selbstgefälligkeit: Ich glaube an die Überzeugung meiner Partei, und in dem Moment wo meine Partei mich enttäuscht, suche ich mir automatisch eine andere Überzeugung an die ich glauben kann. Somit kann ich meine Verantwortung für alle Probleme in der Gesellschaft abgeben und mich psychologisch von dir und allen anderen abgrenzen, die nicht in derselben Weise denken wie ich. Dieses Gefühl der psychologischen Trennung verwandelt sich schließlich in Selbstgefälligkeit, die den Ausdruck meiner Kreativität, Einzigartigkeit und mein innerstes spirituelles Potential begrenzt. Selbst wenn mir das bewusst wird, und ich aufhöre meine Energie der dominierenden Partei zu geben, so wie Millionen von heute und auch früherer Generationen, stecke ich trotzdem noch immer in meiner Selbstgefälligkeit fest und treibe in der endlosen Aufregung der Propaganda und des Wahlkampfs weiter. In der Zwischenzeit machen die Reichen und Mächtigen weiterhin Geld hinter meinem Rücken und profitieren von dem Elend der Welt und ihrer Zerstörung, während der Rest der Gesellschaft sich um politische Ismen streitet oder dem gegenüber gleichgültig und apathisch bleibt.

Damit soll nicht verleugnet werden welch eine große Rolle die freien Wahlen und der demokratische Prozess in der menschlichen Evolution gespielt haben. Aber wir haben einen Punkt erreicht, wo die passive Auswahl von Kandidaten für ein öffentliches Amt bei weitem nicht genug ist, um die Zukunft unserer Welt zu sichern. Wenn wir eine höher entwickelte wirtschaftliche Ära voraussehen können, welche auf der kooperativen Nutzung von Ressourcen beruht, wozu brauchen wir dann die riesigen politischen Kampagnen, die Millionen Dollar verschlingen? Nur um einen sozialistischen oder kapitalistischen Kandidaten zu fördern mit einer widersprüchlichen Agenda politischer Prioritäten? Eine vereinte Welt, die ihren Reichtum und ihre Ressourcen gerecht teilt, bedingt eine neue Klasse von Politikern in der Regierung. Eine, die der Menschheit als Ganzes dient und die den heutigen Gesetzen der Gesellschaft nicht verpflichtet ist, die nur die Interessen der wenigen Privilegierten unterstützt (und immense Lobbykräfte hinter sich hat). Solange wir den parteipolitischen Führungskräften von heute Energie und Autorität geben, wird die Menschheit aus der Ferne auch weiterhin aussehen wie eine Herde, die sich an Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit weidet. Einen wahren Ausdruck von Demokratie hat es noch in keinem Land gegeben, und wird es nicht geben, bis eine überwiegende Mehrheit von Menschen Selbsterkenntnis erlangt. Es bedarf einer neuen Erziehung, die in den Gesetzen der Zeitlosen Weisheiten zu finden sind. Es ist unmöglich zu wissen was Demokratie eigentlich bedeutet, solange unser Denken mit Angst und Unsicherheit konditioniert ist, und solange es kein Vertrauen und keine Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft gibt. Welche Art von Demokratie kann in einer solchen Gesellschaft gedeihen?       

Letztlich sind es die unendlichen psychologischen Konflikte, verursacht von Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus und ein ringsum religiöses Chaos, die sowohl körperliche und spirituelle Armut als auch die Kollateralschäden wie Welthunger herbeiführen. Dies ist in unserer gebrochenen Gesellschaft eindeutig wahrzunehmen, die von den Kriegen der Ismen zerrissen wird, wie in vielen Ländern im Nahen Osten und afrikanischen Ländern, welche die Schlagzeilen beherrschen. Egal wer die militärisch geführte Vernichtung leitet  - Al Shabab oder die Schiitenmiliz, die NATO oder die CIA - es sind immer die Armen und Hungernden, welche die unbeabsichtigten oder zufälligen Opfer sind. Was wir jedoch nur allmählich erkennen, ist die Rolle die auch wir bei der Schaffung dieser Kollateralschäden spielen, durch unsere generelle Selbstgefälligkeit.

Wir mögen die Regierung beschuldigen auf der Seite ihrer persönlichen Interessen zu stehen und Milliarden von Dollar in die Kriegsmaschinerie fließen zu lassen. Aber die Regierung kann das tun, hat das Recht das zu tun, und wird es auch weiterhin tun, weil ich schweige und wegschaue. Warum schweige ich eigentlich? Weil ich mit meinen persönlichen Konflikten innerhalb der Gesellschaft beschäftigt bin. Währenddessen nehmen die Ismen zunehmend Einfluss auf mich - wie ein Taschendieb, der meine Aufmerksamkeit ablenkt, damit er meine Brieftasche stehlen kann. Die Brieftasche in diesem Fall ist mein gesunder Menschenverstand, guter Wille und die Vernunft. Schlussendlich bin ich so konditioniert, dass meine Beziehung zur Realität des Lebens fragmentiert ist. Denn meine Wahrnehmung ist von Ismen so getrübt, dass ich die Realität nicht mehr sehen kann so wie sie tatsächlich ist, bis ich meine moralische und ethische Reaktion, in Bezug auf das menschliche Leid um mich herum, verloren habe.

Auch das ist bei vielen politischen oder religiösen Fundamentalisten deutlich wahrzunehmen. Aber es ist nicht so leicht zu erkennen, wie die subtileren Ismen unsere Selbstgefälligkeit so intellektualisiert haben, dass unsere Illusionen für uns echt und zivilisiert erscheinen. Zum Beispiel, ist es in vielen spirituellen Gruppen üblich, über die Milliarden von Menschen die an Hunger sterben, beiläufig zu sprechen und es dann als spirituelles "Karma" zu rationalisieren, was uns wiederum unbewusst befreit von unserem Mangel an Fürsorge und unsere kollektive Mitschuld missachtet. Karma ist in Wirklichkeit ein dynamischer Ausdruck von Liebe und Freiheit, und dessen Begriffsbestimmung gibt jeder Person das Recht zu leben, zu lernen und zu wachsen. Diese grundlegende Tatsache zeigt sehr krass, wie unsere Persönlichkeit ein vulgäres Phänomen der Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit geworden ist, wenn wir lieber den unnötigen Hunger unserer Mitmenschen intellektualisieren und Ihren Seelen die Schuld zuschreiben. Menschen, die Ismen in Ideen verwandeln, sind geneigt dazu die Menschheit selbst als Idee zu sehen, fast bis zu dem Punkt, dass ein Kind, das an Unterernährung stirbt, akademisch als „Hungerist“ eingestuft werden könnte.

In Wahrheit ist die größte Sünde überhaupt, wenn wir ihr ins Angesicht sehen könnten, dass ein Mensch in einer Welt des Überflusses an Hunger stirbt, eine Sünde, die wir alle weltweit begehen aufgrund unserer Selbstgefälligkeit. Wenn Sie akzeptieren, dass jedes Lebewesen Teil davon ist, was manche Gott nennen, und Gott sich im Leben entfaltet, dann bedeutet das nicht nur das menschliche Recht, das den Armen abgesprochen wird, und zwar zu überleben, sondern auch das göttliche Recht, sich spirituell zu entwickeln. Die Freiheit der Seele sich auf Erden zu entfalten und ihrer Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen ist die moralische Grundlage, die Grundlage der Verantwortung, die Grundlage von allem was ist. Das Ergebnis unserer Identifikation mit Ismen ist daher tragisch. Wir haben effektiv unsere Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit globalisiert; wir haben die Erweiterung des menschlichen Bewusstseins verhindert; und wir haben es der Vergangenheit immer wieder erlaubt sich zu wiederholen, während die Intelligenz des Menschen möglicherweise einen katastrophalen falschen Weg eingeschlagen hat, weit entfernt von den gütigen Kräfte der Evolution.

Wie können wir zu der Erkenntnis gelangen, dass Teilen die Lösung für die Probleme der Menschheit ist und damit unsere noch letzte verbleibende Hoffnung für die Sanierung einer geteilten Welt? Dieses Gespräch erfordert, dass wir offen und bewusst sind, sonst gibt es nichts Menschliches in unserem Denken, sondern nur Ideologie. Auf der einen Seite sind wir durch die Marktkräfte so konditioniert, dass viele von uns jetzt schon Gewinn mit Gemeinwohl gleichsetzen. Andererseits sind wir durch etabliertes politisches Denken so bedingt, dass die meisten Menschen dazu neigen, gerechtes Teilen mit der Ideologie des Sozialismus oder Kommunismus gleichzusetzen, bis hin zu der Idee, dass das Teilen der Ressourcen zwischen Nationen, als „Utopismus“ oder einfacher Unsinn angesehen wird. Können wir das enorme Ausmaß dieses Problems klar erkennen, wenn wir uns selbst mit einer beliebigen Anzahl von Ismen und Überzeugungen identifizieren - so viele, dass, wenn wir uns selbst unvoreingenommen betrachten es uns erstaunen würde und sogar verängstigen? Unsere Wahrnehmung ist so getrübt und fragmentiert von Ismen, dass wir kaum wissen, was es bedeutet, ernsthaft und aufrichtig auf das Leben zu reagieren, geschweige denn dass wir innere Freiheit und Bewusstsein zu schätzen wissen.

Wie können wir dann auf die Straßen gehen und unsere sogenannte Revolution herbeiführen, wenn wir in einer Gesellschaft leben, die auf Ismen aufgebaut ist? Wenn wir nicht dazu erzogen sind der Menschheit zu dienen und sie zu lieben, und wenn wir nicht dazu ermutigt werden füreinander zu sorgen, so wie für uns selbst? Werde ich Ihnen zu Hilfe kommen, weil ich ein Sozialist oder ein Christ bin, oder weil du mein Bruder bist und dringend meine Hilfe brauchst für Essen und Unterbringung? Wenn ich wüsste, was Gerechtigkeit wirklich bedeutet, ohne jede Verzerrung durch Ismen und Überzeugungen, würde ich dann in den Straßen laut  'meine Rechte' und Gerechtigkeit für mich einfordern - oder würde ich Gerechtigkeit für die sterbenden Armen und Hungernden in der Welt fordern?

Es ist auch deplatziert, dass Umweltschützer aufgrund von massenhafter öffentlicher Selbstgefälligkeit als Ismus ins Leben gerufen werden, die für die Rechte der Natur und künftiger Generationen kämpfen. Wenn sich die ganze Menschheit im Einklang befände unseren Planeten zu retten gäbe es keinen Umweltschutz, sondern nur eine vereinte Stimme der Menschen, für eine einfachere und nachhaltigere Lebensweise. Und wenn jeder sich aktiv damit beschäftigen würde eine bessere Welt zu schaffen, würde der Begriff  "Aktivismus" nicht existieren und es gäbe keinen Unterschied zwischen dem Aktivisten und dem Rest der Gesellschaft; es gäbe nur die eine Menschheit, die im Dienst für das Gemeinwohl von allen lebt.

Wir brauchen dringend eine neue Art von Bildung, die uns Bewusstsein und Selbsterkenntnis lehrt, und das ist ein ungeheures Unterfangen in einer Welt, die nicht auf einem spirituellen Verständnis zum Leben gegründet ist. Es ist nicht möglich von richtiger Erziehung zu sprechen, ohne die Problematik der Ismen, psychologischer Konditionierung oder falscher Glaubensidentifikation zu sehen und daher die Notwendigkeit von Harmlosigkeit, innerer Balance und Freiheit. Bildung, im wahrsten Sinne, ist ein Wörterbuch der Gesetze des Lebens, die jedem Menschen ermöglichen seine Einzigartigkeit und Kreativität zu entfalten und dem eigenen Schönheitsbegriff des Seins Ausdruck zu verleihen. Die Kommerzialisierung hat alles geleistet, um wahre Erziehung fast in jeder Weise zu eliminieren, denn sie weiß, dass für sie Selbsterkenntnis eine unüberwindbare Mauer darstellt. Denn Selbsterkenntnis allein führt zu Kontemplation, Loslösung, und zur Überwindung von Angst und psychischer Unsicherheit.

Dies ist jedoch eine enorme Aufgabe in einer Welt, die von Ismen durchtränkt ist, so dass wir keine Zeit haben, unsere Bildungssysteme zu reformieren und die Erziehung der Jugend in die richtige Bahn zu leiten, zumindest nicht bevor die Zerstörung unseres Planeten irreversibel wird. Daher besteht der erste Schritt zur richtigen Bildung in unseren heutigen dysfunktionalen Gesellschaften einfach darin, aus unserer Selbstgefälligkeit herauszukommen und spiritueller zu werden.

Wir könnten womöglich argumentieren, dass wir selbst nicht für die Weltlage verantwortlich sind, denn wir wurden alle in eine Kultur hineingeboren, die geistig blind und dramatisch fehlgeleitet ist. Aber innere Selbsterfahrung reicht aus, um unser Bewusstsein dauerhaft zu verändern und uns in gewissem Maße von der Konditionierung des Geistes zu befreien. Die Realität unserer wahren spirituellen Natur auch nur für einen Moment zu erkennen, ist so beeindruckend, dass diese Wirkung erhalten bleibt, niemals verloren geht und auch nie endet. Wir haben zuvor argumentiert, dass der Atheist nicht ohne den Glauben an Gott anzufechten existieren kann, aber selbst der Glaube an Gott muss irgendwann losgelassen werden, um durch Selbsterkenntnis und Bewusstsein des Einen Lebens ersetzt zu werden, denn das ist ewig und allgegenwärtig.

Auf lange Sicht gibt es aus den Ismen und ihren Problemen, die sie verursachen, keinen Ausweg, außer die Menschheit entschließt sich für eine grundlegend spirituelle (nicht religiöse) Erziehung. Das würde jeden Menschen mit den notwendigen Grundlehren und einer Führung ausrüsten, um die Kunst des Lebens praktizieren zu können. Zugleich aber muss das ganze Gebäude unserer Wirtschaft neu strukturiert werden, damit jedem Mann, Frau und Kind die Grundbedürfnisse für ihren Lebenserhalt zugesichert werden. Wenn es eine materielle Basis für Vertrauen und Sicherheit in der Gesellschaft gibt, zusammen mit den universellen Lehren der Gesetze des Lebens, wird es keinen weiteren Grund mehr geben, sich mit den vielfältigen Ismen zu identifizieren. Wahrscheinlich benötigt die Menschheit viel mehr Zeit, angesichts der beispiellosen Transformation der Gesellschaft, die erforderlich ist, um sich aus dem Morast widersprüchlicher Ideologien und an der Aufrechterhaltung von Überzeugungen zu erheben. Eindeutig braucht es Zeit, um alle Gesetze und Strukturen zu reformieren, die eine ungerechte Wirtschaftsordnung aufrechterhalten. Aber während dieser Zeit sind wir leider alle bei der Aufrechterhaltung des Verbrechens gegen die Menschlichkeit beteiligt - eine anhaltende Tragödie, in der Tausende von Menschen jeden Tag an vermeidbaren Krankheiten und Armut sterben.

Hierin liegt das schreckliche Dilemma:  Wir können unseren Regierungen nicht die Schuld geben für die Probleme der Menschheit, wenn wir uns der Dringlichkeit der Weltlage nicht bewusst sind und weiterhin selbstgefällig und gleichgültig bleiben. Die Regierung kann zwar ihre zwiespältigen Meinungen aufrechterhalten, aber wir sind umso mehr für unseren „Glauben an einen Glauben“ verantwortlich, der dazu führt, dass wir angesichts des entsetzlichen menschlichen Leidens passiv bleiben. Auch wenn wir selbst unter der schädlichen oder nachlässigen Politik unserer Regierung leiden, ist unsere Selbstgefälligkeit so stark, dass sich unser Bewusstsein möglicherweise nicht ändert, sobald sich unsere persönliche Situation wieder normalisiert. Die Menschen brauchen daher Zeit, um im Bewusstsein zu wachsen, aber in dieser Zeit werden entsetzliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Erde begangen, für die wir alle gemeinsam verantwortlich sind.

Die einzige Hoffnung, die uns bleibt, ist, das Prinzip Teilen in der Weltpolitik umzusetzen, und dass sich all die einfachen Menschen auf ihr Bewusstsein im Herzen zentrieren. Es ist das Denken, das uns in die Irre führt, und so die Attribute des Herzens durch Ismen und Konditionierung ausbremst, aber unser Herz wartet geduldig auf seine Zeit, um mit uns zu kommunizieren. Jedoch kann es nicht mit unserem konditionierten Verstand kommunizieren; es kann nur die Kommunikation von Herz zu Herz geben. Und weil unser Verstand so intellektuell und dominant geworden ist und ständig versucht uns zu übertölpeln, ist das Herz hilflos gelähmt, bis das Denken wieder in die Balance und zur Vernunft kommt, wie bereits oben erwähnt. Dann wird das Herz lebendig und spricht nicht wörtlich, sondern durch seine Qualitäten, die wie jeder weiß, Großzügigkeit, Teilen, Wohlwollen, Mitgefühl und natürlich Liebe sind.   

Das Herz denkt nicht, oder ist berechnend, wie der Verstand mit seinen manipulativen Absichten. Aber es besitzt Weisheit, die im Vergleich zum bloßen Intellekt, egal welcher Ausprägung, enorm ist. So etwas wie ein `reines´ Herz gibt es nicht, auch wenn das manches Mal so definiert wird, wenn jemand nicht besonders verdorben und konditioniert ist, denn es gibt nur das Herz per se mit seinen immanenten Eigenschaften. Entweder ist das Herz bewegt, oder es ist still.  Sowie ein neugeborenes Baby nur ein Baby ist, und nicht als "schlecht" oder "kalt" bezeichnet werden kann, ist das Herz immer nur ein Herz. Wenn wir einem erfolgreichen Geschäftsmann empfehlen, er soll auf sein Herz hören, wird er uns zweifellos als naiv und einfältig betrachten, jedoch wenn er sich verliebt zeigt er die gleichen Qualitäten und teilt vielleicht großzügig seinen Reichtum mit dem Objekt seiner Zuneigung.

Wie seltsam und traurig ist es doch, dass die reichen Qualitäten des Herzens so leichtfertig in unserer heutigen Kultur abgetan werden und zudem auch das Prinzip des Teilens als trivial und belanglos angesehen wird. Der Leser wird abwarten müssen, um zu sehen was passiert, wenn die Herzen der Menschen auf einer globalen Ebene erwacht sind. Denn das Herz kann nicht durch einen Ismus aktiviert werden der „gegen“ etwas ist, oder im Namen „meines Rechtes“, oder Gerechtigkeit für mich, sondern nur auf der Basis des Wohles für alle. Alles was der Autor sagen möchte, ist das: Wenn so eine Zeit kommt, in der Millionen von Menschen auf die Straße gehen und gemeinsam fordern, dass unsere Regierungen die Ressourcen der Welt gerecht teilen, dann werden wir unsere Seelenaufgabe in den Stimmen der vereinten Menschen erkennen. Und das geschieht dann, wenn Ismen sich aus unserem Denken verabschieden.

Es ist äußerst wichtig, dass wir mit diesem Verständnis nicht für eine Idee demonstrieren, sondern dafür, wer wir sind. Es gibt keine politische Partei oder Ismen, die eine Lösung für unsere zivilisatorischen Krise parat haben, denn die Antwort liegt bei der erwachten Bevölkerung in ihrer Gesamtheit. Es ist gut und notwendig, Ideen zur Reform unserer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen zu haben, aber es sind die Menschen auf der Welt, die diese Antworten durch ein engagiertes Herz und einen massiven guten Willen zum Ausdruck bringen. Also können Sie nicht herkommen und sagen: "Ich habe die Lösung", denn "wir" haben die Lösung nur durch die Stimme eines vereinten Volkes. Selbst andere zu fragen „Was soll ich tun?“ ist unwissend und unbedacht, denn es gibt kein „Ich“ oder eine Persönlichkeit im Aufstieg des normalen Volkes mit einer Stimme, sondern nur einen Gruppengedanken und eine Menschheit, was ganz natürlich dazu führt das Richtige zu tun. Zuerst muss ein öffentliches Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass das Teilen die letzte Rettung für die Menschheit ist, ausgedrückt durch ein Herz, das zu einem globalen Notfall von beispiellosem Ausmaß erwacht. Nur dann können wir die Umsetzung dieses Bewusstsein in zwischenstaatlicher Politik und einem gewaltigen bürgerlichem Engagement erleben. Es gibt keine andere Aussicht auf Erfolg für unsere Regierungen, als in Kooperation zusammen zu arbeiten, um die Welt zu retten und die Ressourcen zu teilen. Seit Jahrhunderten haben sie jeden anderen Weg versucht, und keiner hat funktioniert. Wir sehen bereits wie eine Nation einer anderen Nation in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs Finanzmittel leiht. Warum können sich die Regierungen nicht auch gegenseitig helfen, indem sie Lebensmittel und andere wichtige materielle Güter kooperativ bündeln und neu verteilen? Mit all unserem Einfallsreichtum und den rapiden technologischen Fortschritten, sollte es uns da nicht möglich sein einen internationalen Plan für die Vereinten Nationen zusammenzustellen? Damit jedem Land geholfen werden kann und allen Menschen Nahrung und Fürsorge sicher ist, können wir durch gegenseitige Hilfe zu einem ständigen und strukturellen Grundplan gelangen, ohne Gewinn, Zinsen oder strategischem Vorteil.

In solchen wirtschaftlichen und politischen Vereinbarungen gibt es keinen „Ismus“, wenn das Prinzip des Teilens als operative Grundlage jeder Gesellschaft angewendet wird und wir auf diese Weise die Nationen von Druck und Wettbewerb befreien. Der Prozess und die Umsetzung des Teilens, innerhalb und zwischen Nationen, wird dazu führen, dass die Ideologien des Kapitalismus und des Sozialismus in die richtige Ordnung kommen, damit sie endlich im Einklang zusammenarbeiten können. Es wird uns ebenfalls ermöglichen die Probleme der Welt anders zu sehen, ohne den Krafteinsatz „gegen“ etwas zu sein, sondern nur 'für' etwas einzustehen. Und es wird uns zu der Einsicht führen, dass der Kapitalismus ein notwendiges Konzept in einer innovativen Wirtschaft ist, ebenso wie der Sozialismus ein notwendiges Instrument ist, um die Grundbedürfnisse aller zu decken. Erst dann, wenn wir so einen Prozess des Teilens weltweit implementiert haben, können wir wahrnehmen wie dieses universelle Prinzip das Gegenmittel zu alten sozialen Problemen und der Rivalität zwischen den Nationen ist. Denn Teilen bedeutet auch Freiheit von Konflikten der oben genannten Ismen. Und sobald wir erkennen, dass der endlose Kampf der Ismen und Überzeugungen die Menschheit so tief hat sinken lassen, dass sie sich nur sehr langsam entwickeln kann, dann sind wir schon sehr nah dran zu verstehen, dass die gemeinsame Nutzung der Weltgüter den Weg in die Zukunft beschleunigen wird.

Daher ist es unerlässlich, die energetische Verbindung intuitiv zu erfassen, die zwischen der Seelenabsicht und dem Prinzip des Teilens besteht, und die von unseren psychischen Konditionierungen und falschen Identifikation unserer Glaubensüberzeugungen seit Jahrtausenden getrübt wurde. Wenn wir zu dieser entscheidenden Stunde über die eigene Existenz nachdenken, können wir erkennen, dass Teilen ein wesentlicher Bestandteil unseres Selbst ist, und das wird uns erneut dazu inspirieren, die Schönheit des Menschseins auf der Leiter des sich entwickelnden Bewusstseins zu schätzen. In der Tiefe unseres kollektiven Unterbewusstseins liegt das Wissen, dass die Menschheit eine Einheit ist, eine Wahrheit, die für jeden Einzelnen seit zahllosen Leben verborgen blieb. Das Prinzip des Teilens ist gut gerüstet, diese Tatsache aus dem Unbewussten über das Herz in unser Bewusstsein zu bringen. Dann wird die Menschheit am Ende erstaunt zu der einfachen Erkenntnis gelangen: dass wir das Prinzip des Teilens schon sehr viel früher in der Weltpolitik hätten umsetzen sollen.


Mohammed Sofiane Mesbahi, Gründer von STWR.

Redaktionsassistent: Adam Parsons.

Übersetzung von Ute Redl und Sonja Scherndl.

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