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Wach auf Amerika, wach auf!

STWR
2015年7月1日

Ein Brief an einen amerikanischen Aktivisten

Es ist an der Zeit, dass Amerika seine Werte durch eine umfassendere und spirituelle Vision, auf der Grundlage einer gerechten Verteilung der Ressourcen der Welt, eiligst ersetzt. Es liegt an Euch, der Jugend von Amerika, den Weg zu zeigen und anzuführen durch das Organisieren einer permanenten Demonstration in jedem Staat, bis sich diese nationale Welle eines friedlichen Protests schließlich auf der ganzen Welt verbreitet.


 

Was war die Ursache, dass eine Nation wie die Vereinigten Staaten von Amerika, so tief sinken konnte und sich heute in Aufruhr und Verwirrung wiederfindet? Ein Land, das auf den Idealen der Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie gegründet wurde, das aber zunehmend vom Weg abgekommen ist und diese edlen Konzepte degradiert hat. Sollte die 'Freiheitsstatue, die die Welt erleuchtet', wirklich ihren Kopf senken, ihre alten Fesseln wieder anlegen und ihre brennende Fackel loslassen? Vielleicht repräsentieren die Fesseln nicht das Ende der Knechtschaft und der Unterdrückung, sondern eher die hässlichen und eingekerkerten Ideen des amerikanischen Traums, wie er sich in einer stark kommerzialisierten und gespaltenen Gesellschaft manifestiert.

Warum nehmen die meisten von uns die Gefahren, die in der Verfolgung des amerikanischen Traums liegen, nicht wahr? Im Allgemeinen versteht jeder seine Bedeutung – der Wunsch erfolgreich, reich und glücklich zu sein. Aber nur wenige von uns denken darüber nach, wie dieser Traum die Menschen in Amerika von ihrem Weg abgebracht und die wahren Werte dieser großen Nation zunehmend entwertet hat. In der Tat ist es ein Traum, der ursprünglich auf einem Diebstahl von den indigenen Völkern beruhte, welche das ursprüngliche Recht auf diesen Kontinent besitzen. Ein Traum, der das Streben nach Profit durch einen immer intensiveren Weg der Kommerzialisierung legitimiert - die notwendige Grundlage, um den Wunsch Amerikas für einen wohlhabenden und überlegenen Lebensstil zu erfüllen. Der amerikanische Traum wurde nicht von der Kommerzialisierung vereinnahmt, sondern ihm von Anfang an in die Wiege gelegt. Und in diesem Prozess wurde das Land der Freiheit einer der stärksten Befürworter der Ideologie der Marktkräfte, die sie rücksichtslos in die ganze Welt exportiert, was zu weitreichenden sozialen Unruhen und zu einer Eskalation internationaler Spannungen führt.

Aus einer inneren oder psychologischen Perspektive gesehen, sollte der amerikanische Traum wirklich als ein egozentrisches und schädliches Konzept erkannt werden, denn so viele Menschen werden durch den Wunsch nach Wohlstand und Erfolg verleitet, nur um festzustellen, dass dieses Glück nur flüchtig ist, ungeachtet der Konsequenzen für alle anderen. Es ist ein Riesenschwindel der nach wie vor Millionen junger Menschen in seinen Bann zieht, und das ist ein sehr wirksames Instrument für die Kräfte der Kommerzialisierung uns zu manipulieren und irrezuführen. Denn in unserem Wunsch, 'Jemand' zu werden, immer reicher und vielleicht sogar berühmt und mächtig zu werden, dauert es nicht lange, bis unsere Persönlichkeit von Gier und Gleichgültigkeit geleitet wird, was unweigerlich unsere emotionale Intelligenz unterdrückt. Innerlich betrachtet ist es allein die Gier, die uns von der Realität des Herzens und seiner Natur trennt und uns allmählich dazu bringt, dem Leiden oder dem Wohlergehen anderer gegenüber gleichgültig zu werden. Selbst wenn wir uns nicht danach sehnen durch Ruhm oder Errungenschaften reich und erfolgreich zu werden, verzerrt die soziale Konditionierung des amerikanischen Traums dennoch unseren Lebenszweck, durch die engstirnige, materialistische und egoistische Verfolgung unseres individuellen Glücks. Selten stellen wir uns die Frage: Was ist mit den anderen, die es nicht geschafft haben? Bedeutet ihre Unfähigkeit zu konkurrieren, dass sie kein Recht haben, in Amerika zu leben?

Wenn jemand stark konditioniert ist durch diesen amerikanischen Traum, unterliegt er einer Form von geistiger Blindheit, in der er nur sich selbst sieht, und nicht die spirituelle Realität des Lebens von sieben Milliarden Menschen, die miteinander vernetzt sind. Ihre Nächstenliebe ist oft so reduziert, dass sie stolz darauf sind, sich einen patriotischen Amerikaner zu nennen, auch wenn um sie herum unzählige andere in Armut und Verzweiflung leben. Auch Kinder werden von dieser schädlichen Konditionierung beeinflusst. Sie wachsen auf mit der Idee, dass Amerika das wichtigste Land der Welt ist, was dazu führt, dass sie mit wenig Bewusstsein für die extreme Armut und Härte, die die Menschen in weniger privilegierten Nationen erleben, ins Erwachsenenalter eintreten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass diejenigen, die in den Vereinigten Staaten leben, absolut keine Ahnung haben, wo Afrika auf der Weltkarte liegt, geschweige denn eine Vorstellung davon, welch verheerende Folgen die amerikanische Außenpolitik für unzählige unschuldige Menschen in weit entfernten Regionen hat.

Schon der Ausdruck 'The American Dream' ist spaltend und weit von der spirituellen Realität entfernt, denn sie hat Generationen von gewöhnlichen Amerikanern traurigerweise davon abgehalten, die Realität der Einheit und gegenseitigen Abhängigkeit der Menschheit wahrzunehmen. Egal, welche Definition der amerikanische Traum in einem Wörterbuch findet, von einem spirituellen Standpunkt aus wird diese Idee immer mit Spaltung und Ungerechtigkeit assoziiert sein, wie es sich in den vergangenen Jahrhunderten bis zum heutigen Tag widerspiegelt. Es ist in der Tat eine besonders egozentrische Idee, die nur unbewusst mit spirituellen Aspirationen angehaucht ist, denn wenn es eine wahre spirituelle Vision gewesen wäre, dann wäre es der Traum Einer Menschheit gewesen und nichts anderes. Als Folge hat sich der amerikanische Traum schon immer vom höchsten Ideal der Allgemeinheit getrennt, das heißt, dem Gemeinwohl der Einen Menschheit. [1]

Es ist für die Menschen in Amerika einfach natürlich, ihr Land und ihre Lebensweise zu lieben, zumindest für diejenigen, die sich in diese Lebensweise einfügen und sich vor den Problemen der Welt verschließen können. Aber der amerikanische Traum vom individuellen Wohlstand hat keinen Bezug zur Realität der stattfindenden Krisen und enormen Ungerechtigkeiten, die die Erde heute plagen. Diesen Treueschwur jeden Morgen zu wiederholen ist eine engstirnige und sinnlose Geste in dieser Hinsicht, solange Amerika nicht ihre Arme für die gesamte Welt öffnet. Können Sie sich vorstellen, mit der Hand auf dem Herzen, der Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika die Treue zu schwören, während die andere Hand eine Kopie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hält, die erklärt, dass jeder in der Welt das Recht auf Freiheit und Gerechtigkeit hat, und nicht nur die Amerikaner? Was wäre das für ein Gefühl – mit dem Wissen, dass Millionen von Menschen jedes Jahr unnötig an Hunger und Armut sterben, während Amerika einen riesigen Teil der Weltgüter hortet und verschwendet? 

Der wahre amerikanische Traum - ein Traum, der die Seele der Nation als Ganzes repräsentiert - ist es, der Welt in Zusammenarbeit mit anderen Ländern zu helfen und sie zu erheben. Aber die alte Idee des amerikanischen Traums, der sich über viele Generationen hinweg kristallisiert hat, ist ganz anders und existiert gemeinsam mit seinem Gegenpol - Sozialismus und Kommunismus. Ein wahres und nobles Konzept sollte inklusiv und nicht exklusiv sein. Und doch haben es sowohl die kapitalistischen als auch die kommunistischen Nationen versäumt, ihre jeweiligen Visionen von Gleichheit und Gerechtigkeit zu verwirklichen. Stattdessen haben sie die Menschenrechte in enormem Ausmaß verletzt und weltweite Konflikte angezettelt. Trotz all dem Schmerz und Leid, der von diesen Ideologien vor und nach den beiden Weltkriegen verursacht wurde, hat keine der Großmächte die notwendige Lektion des Opfers und des kooperativen Teilens für das Gemeinwohl aller gelernt. Und insbesondere im Falle von Amerika, deren Präsidenten stets für Weltfrieden und Wohlstand stehen und es dennoch ständig vorziehen die Gegenrichtung einzuschlagen, durch die Verfolgung aggressiver Eigeninteressen, die man dann fadenscheinig als Nationale Sicherheit verbrämt.

Man mag zu ihrer Verteidigung argumentieren, dass die Vereinigten Staaten sehr viel an Auslandshilfe für humanitäre Zwecke gegeben haben. Aber in Wirklichkeit nehmen sie die Rolle eines trügerischen Welt-Philanthropen an. Denn zuerst kommt die Ausbeutung anderer Länder, durch ungerechten Handel und illegale Kriege, und danach eine winzige Spende - ein Bruchteil der unrechtmäßig erworbenen Gewinne- zur Linderung der Leiden, die sie verursacht haben. Diese Hilfe repräsentiert nur Heuchelei.  Milliarden von Dollar gehen ins Ausland, um den armen und notleidenden Nationen zu helfen, während Millionen von Bürgern in den Vereinigten Staaten von ihrer Regierung ganz tragisch ignoriert werden. Warum hat Amerika zum Beispiel vor kurzem eine Milliarde Dollar Hilfe an die Ukraine in Osteuropa gegeben, während es die armen und ausgegrenzten Menschen im eigenen Detroit im Stich lässt?[2] Offensichtlich dient die Bundesregierung damit in erster Linie den strategischen Eigeninteressen der Nation und den Profitmöglichkeiten, ein Spiel der Kommerzialisierung, das sich nach und nach mit der alten Vorstellung vom amerikanischen Traum vereint hat, bis beide heute fast synonym sind.  

Zu lange hat sich Amerika von dieser abträglichen Ideologie leiten lassen, die sein globales Streben nach Profit und Macht aufrechterhält und dabei das Leben anderer Nationen schädigt, ohne seine selbsternannten moralischen Werte zu berücksichtigen. Der traurige Zustand in Amerika von heute zeigt, dass die Führungskräfte in der Politik und Wirtschaft entlang spiritueller Linien umgeschult werden müssen, welche auf dem Prinzip richtiger menschlicher Beziehungen laufen. Amerika muss seine Prioritäten sich selbst und der Welt gegenüber drastisch ändern, so dass gesunder Menschenverstand, Bescheidenheit und Mitgefühl zum strahlenden Markenzeichen seiner Regierung und Gesellschaft werden. Doch auch diese Feststellung, diese unvermeidliche Wahrheit, klingt wie eine Fantasie, da sich die meisten an die Positionen der Macht halten und sich vor den Kräften der Kommerzialisierung beugen, und damit jede Diskussion über grundlegende moralische und spirituelle Werte fast utopisch erscheinen lassen.  

Amerika ist dabei eine lange, dunkle, gefährliche Gasse für die kommende Zeit zu betreten. Eine Zeit, in der zunehmend Aufstände, Gewalt und alle Arten sozialer Unruhe herrschen werden. Es sei denn, es verändert radikal seine Richtung.  Als Folge kontinuierlicher individualistischer und spaltender Ideen des Fortschritts, ergeben sich als Nebenprodukt Neurosen, Hass und Verbrechen, welche seit langem in der ganzen Nation weit verbreitet sind. Der politische Prozess in den Vereinigten Staaten ist zunehmend korrupt und profitorientiert geworden, während die Staatsverschuldung eindeutig unbezahlbar ist - daher kann es in den kommenden Jahren unweigerlich mit dem Ausbruch von kritischen finanziellen Turbulenzen rechnen. Sie sind eine Nation, die ihre Bürger noch immer dazu erzieht mit Stolz ihr Recht auf ein extravagantes Maß an persönlichem Reichtum und materiellem Komfort durchzusetzen. Egal wie sie es erreichen, egal ob es auf Kosten der Umweltzerstörung oder Ausbeutung ärmerer Länder geht. Für so eine Nation sind die Prognosen düster. Jetzt wo die Aussicht auf eine unbegrenzte Erhaltung des amerikanischen Lebensstils zu einer spürbaren Absurdität geworden ist, beginnen sich viele Bürger im ganzen Land mit einem Gefühl der tiefen Vorahnung zu fragen: 'Wo ist die Hoffnung, die unsere Führung vergebens verspricht, und welches Schicksal wird uns bald ereilen?'

Zweifelsohne müssen die Menschen guten Willens in ganz Amerika sich gemeinsam erheben, um sich friedlich der Politik der Regierung zu widersetzen. Denn sie profitiert vom Krieg und schützt die Unternehmensinteressen, anstatt den einfachen Menschen in ihrer Zeit der größten Not zu helfen. Wer wird Detroit helfen, zum Beispiel, jetzt wo es bankrott ist? Wird es das Pentagon oder die CIA sein, die so einen großen Anteil des Einkommens und der Ressourcen des Landes an sich reißen? Amerika ist wie eine dysfunktionale Familie geworden. In einer Analogie werden die Kinder missbraucht und vernachlässigt, bis sie schließlich gezwungen sind das Haus zu verlassen und für sich selbst sorgen. In ähnlicher Weise ist es mit der Regierung in Washington, wie ein Elternteil, das es versäumt sich um all seine Kinder zu kümmern - nämlich die fünfzig Staaten, von denen viele wie Detroit bald in eine Krise geraten könnten, wenn die Wirtschaft schmilzt. Wäre es möglich, dass sich viele dieser Staaten zuletzt von Washington vollständig trennen werden? Denn es sind die Menschen von Detroit, die Detroit geschaffen haben, und die Menschen von New Orleans, die New Orleans geschaffen haben - nicht Washington.

*

Die populären Demonstrationen 2011 in den Vereinigten Staaten zeigten deutlich, wie viele intelligente junge Menschen genug haben vom amerikanischen Traum und all dem, wofür er steht. Auch wenn diese Erkenntnis unbewusst gefühlt wird. Ihr Akt, als Einheit in friedlichem Protest zu demonstrieren, ist eigentlich ein Ausdruck von Liebe und Reife, sowie Intelligenz. Denn in der Liebe liegt die Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes – frei von der Vergangenheit, von Ungerechtigkeit, von gewaltigem Diebstahl und Korruption, die Amerikas eigentliche Größe seit so vielen Jahren zunichtemacht. Diejenigen, die auf die Straßen gehen und die wahre Bedeutung der Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit verteidigen, sind diejenigen auf die die Amerikaner stolz sein sollten, anstatt sich an einem falschen Stolz festzuhalten, dem sogenannten American Way of Life.

Viele der Occupy Demonstranten haben mit gesundem Menschenverstand erkannt, dass der amerikanische Traum eine ganze Nation verblendet und gespalten hat, und Amerika damit einen vulgären Ruf auf der internationalen Bühne verliehen hat. Sie sind die wahren Helden der Nation und sie sind es die an der Freiheitsstatue ganz oben stehen und symbolisch ihre Fackel entzünden sollten. Sie sind diejenigen, die mit Reife und Verantwortung leben, statt zuzulassen, dass ihr freier Wille ständig von großen Konzernen und eigennützigen Politikern manipuliert wird. Sie sind diejenigen, die den Kräften der Kommerzialisierung kündigen, welche sich hinter dem amerikanischen Traum verbergen, und unaufhörlich versuchen unsere Aufmerksamkeit fehlzuleiten. Sie sagen uns wie wir zu denken haben und was wir tun sollen, anstatt es uns zu ermöglichen frei im Moment im Jetzt zu leben, mit Aufrichtigkeit und Objektivität. Natürlich gibt es viele andere, die noch stark an den amerikanischen Traum glauben, mit einem unangebrachten Gefühl von Stolz, und deshalb die Zelte in Zuccotti Park mit Fassungslosigkeit und Unverständnis betrachteten. Sogar mit einem Gefühl, dass die Demonstranten den amerikanischen Lebensstil verraten haben. Aber die Stunde kommt, in der sich alle Menschen in Amerika fragen werden: Welchen Sinn hat es auf so eine Art und Weise zu leben, und wohin führt uns das?

Die Regierung und Polizei mögen glauben, dass sie die Zelte aus den öffentlichen Bereichen entfernt haben, aber sie wissen nicht, dass sie all die Zelte, die in den Herzen der amerikanischen Jugend stehen, nicht beseitigen können. Die Politiker täuschen sich gewaltig, wenn sie glauben, dass diese Zelte nicht zurückkehren, da sie sich bereits vermehren, leise, nach und nach, von Herz zu Herz. Es mag scheinen, als ob gerade jetzt nichts geschieht, aber es ist absehbar, dass früher oder später nicht nur ein Lager von Zelten in einem Stadtpark sein wird, sondern eine ganze Nation in Zelten, die immer wieder auftauchen und sich verbreiten.

So kommt vielleicht auch die Stunde, wo sich die Polizei fragen muss, was Gerechtigkeit wirklich bedeutet und was der Sinn von Recht und Ordnung ist. Vielleicht sollte sie ein spezielles Gremium innerhalb des Justizministeriums einrichten, um die politischen Ursachen der sozialen Unruhen zu untersuchen und dann der Regierung mitteilen, dass sie damit aufhören soll, diese Unruhen durch ihre schädliche Politik und falschen Prioritäten zu verursachen. Denn wenn die Regierung Unordnung und Ungerechtigkeit schafft, wie kann sie dann die Polizei auffordern, die Ordnung wiederherzustellen und für Gerechtigkeit zu sorgen? Was ist Sinn und Zweck der Sache, wenn viele Menschen auf den Straßen mitfühlend und intelligent sind und aus Liebe ihre Häuser verlassen, um für Gerechtigkeit in ihrer wahren Bedeutung zu demonstrieren? Soll die Polizei deshalb weiterhin ihre Mitbürger verhaften und schikanieren, die mit so viel Gutem Willen tapfer marschieren, oder soll sie ihre Aufmerksamkeit auf die Regierung richten und sagen: Es reicht! Wir sind Menschen und keine Maschinen, und wir werden Ihren korrupten Befehlen nicht länger folgen und uns gegen unser eigenes Volk stellen!

Vorläufig haben die herrschenden Gesetze der Vermarktung die Zelte und Demonstrationen aus unseren Städten verbannt. Aber wenn wir genau in unser Inneres schauen, sehen wir, dass sich ein Planetares Zelt in unserem Bewusstsein regt. Lasst uns alle gemeinsam damit beginnen, dieses planetarische Zelt zu errichten, und es auf eine Art und Weise bauen, dass, wenn wir in die Kuppel schauen, wir schließlich das Spiegelbild aller Menschengesichter auf unserer Welt sehen können. Jetzt ist der Moment, für die Jugend von Amerika uns den Weg zu zeigen, und die Jugend anderer Nationen friedlich aufzurufen zum gemeinsamen Bau dieses Planetaren Zeltes. Es liegt an Euch, der Jugend von Amerika, uns den Weg zu zeigen, durch die Organisation einer Dauer-Demonstration in jedem Staat, bis diese nationale Welle des gewaltfreien Protests sich schließlich auf der ganzen Welt verbreitet.

All die Gruppen, die eine gerechte und nachhaltige Gesellschaft auf der Basis der rechten menschlichen Beziehungen anstreben, sollten sich schnell vereinen, im Bewusstsein der Tatsache, dass es einige Zeit dauern wird, um eine gemeinsame Vision des Wandels zu strukturieren. Lasst Euch nicht von den Experten in Anzug und Krawatte, die im Fernsehen über Eure Märsche und Sitzstreiks sprechen entmutigen und sagen, dass Ihr keine Führung oder klare Forderungen habt. Die meisten dieser selbstgefälligen Kritiker haben keine Ahnung, was sich in den Herzen und Köpfen der amerikanischen Jugend heute abspielt. Und es ist zu erwarten, dass ein inklusiver Ruf nach Gerechtigkeit und Freiheit am Anfang nicht strukturiert sein kann, weil die Kräfte der Kommerzialisierung wie ein starker Magnet sind, der uns ständig übermannt und uns in verschiedene Richtungen zieht. Also macht Euch keine Sorge um die Strukturierung Eurer Forderungen oder um institutionelle Arrangements, sondern macht unermüdlich weiter mit Euren kreativen Demonstrationen, und versucht auf diese Weise die übrige Welt zum Mitmachen zu inspirieren.

Durch unsere vereinten Bemühungen können wir schnell erkennen, dass das Prinzip des Teilens der Generalschlüssel ist, um unsere Liebe in der Gesellschaft strukturell zum Ausdruck zu bringen. Eines der wichtigsten Attribute dieses unterschätzten Prinzips ist es, Menschen in Freiheit und Freude zusammenzubringen, was in den spontanen Protestbewegungen der letzten Jahre in vielen Städten weltweit auf wunderbare Weise (wenn auch nur gelegentlich) realisiert wurde. Diese großen politischen Demonstrationen standen in ihrer Zusammengehörigkeit und freudigem Feiern im Gegensatz zu all den 'Ismen' der Vergangenheit und dem spaltenden Gift der Kommerzialisierung. Im Vergleich zu den vielen gewaltsamen Revolutionen, die wir in der modernen Geschichte erlebt haben, können wir spüren, dass etwas Neues und tiefgreifendes ins Leben gerufen wurde. Und dieser neue Faktor ist die Befreiung des Herzens en Masse, indem es den Herzen erlaubt wird zu sprechen und sich frei im Einklang einer Gruppe zu entfalten.

Wenn wir unseren Verstand von intellektuellen Inhalten leeren und die Welt durch die Empfindung des Herzens betrachten, werden wir nicht zuerst Unrecht erkennen, sondern nur einen Mangel an Liebe. Tatsächlich ist es die nicht zum Ausdruck gebrachte Liebe in einem Staatswesen, die Ungerechtigkeit per se hervorbringt. Und das ist der Grund, warum das Prinzip des Teilens eine so unvorstellbare Kraft besitzt. Die Jugend von Amerika muss wissen, dass Freiheit nie, nicht jetzt und auch nie zuvor, ohne Liebe und Teilen existieren kann.  Heute leben wir in so komplexen und kommerzialisierten Gesellschaften, dass selbst der Begriff Liebe zu einem verletzten, schmerzhaften und bedeutungslosen Wort geworden ist. Und doch könnte unser gemeinsames Leben so freudvoll und kreativ sein, wenn wir die Ressourcen der Welt nur gerechter unter uns allen aufteilen würden.

Deshalb ist es unerlässlich, dass wir uns etwas Zeit nehmen, um über die Bedeutung des Teilens in Bezug auf die politische Ökonomie und unser tägliches Leben nachzudenken. Denn das Teilen ist unser zuverlässiger Wegweiser hin zu einem gesunden und nachhaltigen Leben in Gerechtigkeit. Wir sprechen nicht über Sozialismus oder Kommunismus oder irgendeinen anderen politischen Ismus. Wir sprechen über das universelle Prinzip, das, wenn es von unseren Regierungen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik umgesetzt wird, endlich unsere maroden Gesellschaften heilen und somit viele der Probleme der Welt lösen kann.

Warum demonstrieren wir schließlich, wenn nicht für die Liebe und Freude, die uns allen genommen wurde? Warum demonstrieren wir, wenn nicht für die Extreme von Armut und Reichtum, die uns in einer Welt des Überflusses voneinander getrennt haben? Warum demonstrieren wir, wenn nicht gegen die Ideologien und Ismen, die uns in einer so polarisierten und demoralisierten Gesellschaft ständig entgegengeschleudert werden, in der sich jeder Tag in seiner Seelenlosigkeit und Angst gleich anfühlt wie jeder andere? Sicherlich wurden die Occupy-Proteste nicht nur initiiert, um die Politik zu verändern und die Wirtschaft zu reformieren, sondern auch, um unsere Lebensfreude zurückzugewinnen und unsere Herzen spirituell mit Neuem zu besetzen. Kämpfen wir nur um unserer Kinder und zukünftiger Generationen willen, oder weil wir uns selbst ebenfalls nach etwas Besserem sehnen? Wollen wir nicht auch jeden Tag frisch erleben, sinnvoll und mit einem Gefühl der Verbundenheit, frei von Dauerstress und Geldmacherei und der ständigen Unterdrückung unseres wahren Selbst?

Auch aus einer absolut rationalen Perspektive ist es strategisch vorteilhaft, unsere Forderung an die Regierungen zu vereinheitlichen, um das Prinzip des Teilens umzusetzen, anstatt einen endlosen Kampf gegen den Kapitalismus oder das System zu führen. Die Jugend sollte auch wissen, dass wir, wenn wir eine antikapitalistische Position einnehmen, sofort in den Rachen der Vermarktung fallen. Das System will, dass wir die Denkweise von 'Anti' und 'Ismen' annehmen, denn der Kapitalismus selbst ist ein sehr kluger und raffinierter Ismus, der sich gierig an unserer Ablehnung und Feindseligkeit nährt.  Während wir das Recht haben, Wut auszudrücken und uns gegen die systemischen Ursachen der Ungerechtigkeit zu verteidigen, ist es sinnlos, gegen das System zu kämpfen, wenn die Kräfte so bedrohlich sind die dadurch mobilisiert werden, und offenbar im Rahmen des Gesetzes. In dem Moment, wo wir gegen diese Kräfte sind, bringen sie uns sofort zu Boden und demütigen uns und treiben uns listig zu Gewalt. Und diese Gewalt erzeugt weitere Gewalt und das ist genau das, was das System will, um sich selbst zu verteidigen und aufrechtzuerhalten.

Wir sollten uns daher dieser Falle sehr bewusst sein, und keine weiteren Gedanken daran verschwenden 'gegen' oder 'anti' des korporierten Systems zu sein. Stattdessen sollten wir mit Intelligenz aus dem Herzen arbeiten, denn dort können die Kräfte der Vermarktung nicht eindringen. Es ist das Herz und nicht die Idee an sich das uns vereint, denn in der Weisheit eines menschlichen Herzens liegt die Weisheit der ganzen Menschheit. Eine Revolution, die durch Ideologie angezettelt wird, führt unweigerlich zu weiterer sozialer Spaltung und Gewalt, aber eine Revolution, die durch das Engagement des Herzens entsteht, führt von Natur aus zu gesundem Menschenverstand, Zusammengehörigkeit, Teilen und natürlich Liebe. Wenn Millionen von Menschen zusammenkommen und für Teilen als Mittel zur Verwirklichung der Gerechtigkeit rufen, könnte es dann sein, dass sich letztendlich sogar die etablierten Politiker und die Polizei uns anschließen werden?

Lasst uns also permanent auf den Straßen versammeln und mit Bedacht die Sehnsucht unseres Herzens artikulieren, weg von allen Ismen und der falschen Erziehung, die wir in der Vergangenheit erhielten. Wir sollten nicht verlangen, dass unsere Regierung und die Wirtschaft sich im Namen des Sozialismus, Kapitalismus oder anderer Ismen restrukturiert, sondern eher im Namen, wer wir sind - das heißt, im Namen der Menschen, die alle mit dem gleichen Recht geboren sind, um sich in Freiheit, Würde und Frieden zu entwickeln. Dies ist der Bewusstseinswandel, der erforderlich ist, um Amerika und die Welt zu verändern und das kann nur in gedanklicher Abwesenheit von Ideologie oder persönlichen Eigeninteresse entstehen.

Wir wissen, dass die Probleme in der Gesellschaft von Tag zu Tag eskalieren, und es ist unmöglich so weiter zu leben wie zuvor. Wir sind der egoistischen und materialistischen Wege müde und wollen nicht zu dieser vergangenen Epoche zurückkehren, außerdem können wir uns das nicht länger leisten. Fordern wir also eine gerechte Aufteilung der Ressourcen und machen wir uns keine Sorgen, wenn die Politiker uns als naiv bezeichnen, denn wir wissen, dass ein Aufruf zum Teilen von Herzen kommt, wenn er mit gesundem Menschenverstand und Vernunft verbunden ist. Also, weigern wir uns, dem bösartigen Spiel der Kommerzialisierung weiter zu folgen, und demonstrieren wir gemeinsam für eine neue Lebensweise, eine neue Welt und eine neue Ordnung.

Gleichzeitig sollten wir uns bewusst sein, dass es so etwas wie eine amerikanische Gerechtigkeit nicht gibt, sondern nur Gerechtigkeit an sich. Und das Konzept der Freiheit wird weder repräsentiert noch gehört es Amerika allein – sie repräsentiert das Leben, wo immer wir sind, und ist der Liebe allein zugeordnet. So war es schon immer und so wird es immer sein. Auf diese Weise sollten unsere Forderungen nicht nur auf amerikanische nationale Interessen beschränkt sein, was ein entscheidender Fehler der Occupy-Bewegung in ihrer ersten Manifestation war. Warum unterstützen wir nicht ebenfalls dieselbe Vision des Teilens, der Freiheit und Gerechtigkeit für unsere Mitmenschen in anderen Ländern? Warum sagen wir, wir sind die 99% aller Menschen in Amerika, und nicht die 99% aller 7 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt? Solange wir zurückdenken können, haben wir uns auf unsere nationalen Prioritäten konzentriert, aber jetzt ist es Zeit unser gemeinsames Anliegen und die Bedürfnisse der Welt als Ganzes zu ergreifen. Es ist an der Zeit, uns selbst mit Würde zu adeln, wenn wir in friedlichem Protest hinausgehen, und unser Bewusstsein durch Mitgefühl und Liebe auf die planetare Ebene erweitern.

Es ist klar, dass die Probleme in Amerika sich auch in der restlichen Welt widerspiegeln, wie aus den überall ausbrechenden Massenprotesten zu sehen ist. Wenn unsere gemeinsamen Forderungen international als Perspektive für Gerechtigkeit und Gleichheit begrüßt werden, wird uns der Anblick anderer Gruppen in anderen Städten im Ausland noch mehr bestärken, und umgekehrt. Gemeinsam werden wir uns gegenseitig motivieren zur Teilnahme an Rund-um-die-Uhr-Demonstrationen und immer mehr Unterstützung gewinnen. Auf diese Weise kann die Jugend Amerikas den Rest der Welt dazu inspirieren, sich ihnen anzuschließen. Und so kann der Aufruf zum Teilen sich weltweit schnell verbreiten: indem wir die Interessen nicht nur der 300 Millionen Menschen in Amerika aufrechterhalten, sondern auch der über 7 Milliarden Menschen, mit denen wir unser planetarisches Zuhause teilen.

Mit diesem Verständnis sollten wir Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu unserem Slogan machen, was die Aufstände zuhause ganz natürlich strukturieren und den Weg für die Demonstrationen in anderen Ländern ebnen wird. Wie es in diesem ehrwürdigen Artikel lautet: "Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztlicher Versorgung und notwendiger sozialer Leistungen sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust von Unterhaltsmitteln durch unverschuldete Umstände.“ Nirgendwo auf der Welt werden diese Grundrechte für alle erfüllt, wie wir aus den oben genannten offensichtlichen Gründen erkannt haben. Denn die Gesetze schützen die Interessen der privilegierten Eliten und die der Kommerzialisierung, und die Politik des internationalen Wettbewerbs, die auf die Gründungsvision der Vereinten Nationen wirksam verzichtet. Die verdeckten Manöver der amerikanischen Außenpolitik stellen, neben den eigennützigen geopolitischen Strategien aller anderen Großmächte, die implizite Ablehnung von Artikel 25 für viele Millionen Menschen auf der Welt dar. Dennoch bekennt die US-Regierung schamlos, dass sie für globale Gerechtigkeit und Menschenrechte steht, inmitten von 40.000 Menschen, die jeden Tag an vermeidbaren Krankheiten und Armut sterben. [3] Werden wir hier für dumm verkauft? Und werden wir weiterhin schweigen, während dieses tägliche Massaker stattfindet?

Wenn wir uns mit dem Gemeinwohl der einen Menschheit identifizieren, dann ist es angebracht, dass wir an Artikel 25 festhalten, da er die Herzen und Gedanken aller Menschen auf der Welt repräsentiert. Wir alle wollen Frieden, wir alle wollen Gerechtigkeit, wir alle wollen eine saubere und sichere Umwelt; aber bevor wir diesen Frieden und diese Gerechtigkeit für uns selbst fordern, wollen wir in einer Welt der Fülle, das unwiderrufliche Ende dieser Blasphemie von Hunger und Armut erleben. Es ist nicht nur eine Frage der Moral und Gerechtigkeit, sondern der Strategie und gesundem Menschenverstand, bezogen auf unser Bewusstsein und unsere Intelligenz. Seit Jahrhunderten kämpfen wir gegen den Kapitalismus und das System, und dennoch wird die Situation für die meisten Armen und Ausgegrenzten immer schlimmer. Wir haben also nichts zu verlieren, wenn wir unsere Taktik ändern und unsere Forderung nach Artikel 25 als universellen Ansatz für transformativen sozialen Wandel vereinheitlichen.

Wir sollten die motivierende Auswirkung, die es auf unsere Gesellschaften und unser kollektives Bewusstsein haben wird, nicht unterschätzen. Nie zuvor haben wir erlebt, wie eine riesige Anzahl von Menschen auf der Straße die Abschaffung der extremen Armut durch unaufhörliche weltweite Aktionen der Solidarität und des massenhaften guten Willens gefordert hat. Können wir uns vorstellen, was passiert, wenn amerikanische Aktivisten auf diese Weise für eine nationale und internationale Wirtschaftspolitik eintreten, die auf dem Prinzip des Teilens beruht? Wir können sicher sein, dass New York City voller Zelte und Dauer Protesten sein wird, denn auch die Armen werden mitmachen und damit den Ruf verstärken, ihre Grundrechte erfüllt zu sehen. Und vor allem, werden Milliarden von Menschen in anderen Kontinenten, in Afrika und Asien bis nach Südamerika den Ruf beherzigen, denn dann sprechen wir auch über ihr Leben.

Also lassen Sie das zu unserem lauten Ruf werden: nicht eine Revolution 'gegen' dieses verdorbene System, in dem wir leben, anzetteln, was unsinnig ist, wenn unsere Stimmen im endlosen Kampf der Ideologien und Ismen verloren gehen. Das System bleibt in der einen oder anderen Form erhalten, also sollten wir es lieber durch eine völlig umfassende Forderung nach dem, was am dringendsten und wichtigsten ist, umgestalten: die sofortige Garantie grundlegender sozioökonomischer Rechte für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind.

Stellen Sie sich vor, wie leicht dies erreicht werden könnte, wenn nur unsere Regierungen durch den überwältigenden Druck der Öffentlichkeit dazu gebracht würden, ihre Prioritäten völlig neu zu ordnen und in echter Zusammenarbeit mit anderen Nationen zu arbeiten, um die Ressourcen der Welt zu teilen. Wie die Geschichte schon oft gezeigt hat, kann selbst eine Handvoll Menschen unglaubliche Veränderungen herbeiführen, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, und zwar mit einer Idee, deren Zeit gekommen ist. Und jetzt ist unsere Zeit, der Freiheitsstatue wieder Leben einzuhauchen, damit sie die Welt erleuchtet, bis sie als Protest ihre Fackel fallen lässt und stattdessen ein riesiges Banner hält mit der Aufschrift: 'Artikel 25: Der Wahre Amerikanische Traum'

 

WACH AUF, AMERIKA, WACH AUF!

Ich vermisse die Zelte und alle von Occupy die mir Hoffnung gaben.

Wo seid ihr?

Noch immer fühle ich euren Schmerz und eure Wünsche.

Noch immer höre ich eure Stimmen, in der Glut der Nacht.

Ich vermisse eure Gesichter, eure Freude, eure Forderung nach einem neuen Leben. Ich vermisse euch alle.

Wo seid ihr?

Denn ihr seid die Hoffnung der ganzen Welt, wenn ihr es nur wüsstet.

 

 

Noten

1] Vgl. Mohammed Sofiane Mesbahi, Das Gemeingut der Menschheit, englische Original Fassung - The Commons of Humanity, Share The World's Resources, 2017

[2] Das Beispiel der Ukraine war zum Zeitpunkt, als dieser Artikel 2014 geschrieben wurde relevant. Eine Krise, die sich durch die Regionen zog, die zu Massenprotesten und dem gewaltsamen Sturz des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch führte. Der politische Konflikt wurde von den Vereinigten Staaten und anderen europäischen Mächten manipuliert, die ein langjähriges Interesse daran hatten, eine pro-westliche Regierung in der Ukraine zu unterstützen. Die Erwähnung der Stadt Detroit in den Vereinigten Staaten war auch deshalb von Bedeutung, weil sie im selben Zeitraum den größten kommunalen Konkurs in der Geschichte der USA anmeldete. Die Stadt Detroit war damals bekannt für ihren gravierenden wirtschaftlichen und demographischen Niedergang, den schlimmsten städtischen Verfall und die weit verbreitete Armut (proportional die höchste unter allen 71 Städten der USA).

 

[3] Diese Zahl mag fragwürdig groß erscheinen, tatsächlich wird dabei aber vermutlich die Zahl der Menschen unterschätzt, die täglich unnötig an den Folgen extremer Armut und unzureichender sozialer Absicherung sterben. Die Berechnung basierte ursprünglich auf den "Disease Burden and Mortality Estimates" der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2012. Für die Analyse wurden nur übertragbare, mütterliche, perinatale und ernährungsbedingte Krankheiten berücksichtigt, die von der WHO als "Gruppe I"-Fälle bezeichnet werden. 96 Prozent aller Todesfälle durch diese Ursachen treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf und gelten als weitgehend vermeidbar. Doch das wahre Ausmaß der lebensbedrohlichen Entbehrungen weltweit, das von den Mainstream-Medien weitgehend ignoriert wird, wird durch die Coronavirus-Pandemie seit Anfang 2020 erheblich zunehmen. Bei Drucklegung dieses Buches schätzen die Vereinten Nationen bereits, dass zusätzlich 130 Millionen Menschen in konfliktgeplagten Ländern an den Rand des Hungertodes gebracht werden.


Mohammed Sofiane Mesbahi ist der Gründer von STWR.

Redaktionelle Mitarbeit: Adam Parsons.

Übersetzung: Sonja Scherndl & Ute Redl.

Photo credit: Shutterstock, copyright Misti Hymas